Abzocke in Costa Rica
Diese Story ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit toten oder noch lebenden Personen wären daher rein zufällig.
1997 wurde ich durch eine Anzeige in der Zeitschrift „Tauchen“ auf die Aktivitäten vom ´Heiler´ in Costa Rica aufmerksam.
Über die abgedruckte Telefonnummer baute ich den Kontakt auf und erhielt im Frühjahr 1998 Informationsmaterial.
Der Info war zu ich entnehmen, daß Investoren gesucht werden, die zum Erhalt der natürlichen Lebensräume in der Golfito-Region im Süden Costa-Ricas beitragen möchten, sowie Menschen, die hier eine Existenz aufbauen wollen.
Idealistischer Hintergrund, ökologischer Ansatz, überdurchschnittlicher finanzieller Profit, Unabhängigkeit, spirituell cummunity.
Das anspruchsvolle Projekt gefiel mir.
War hier doch die Rede vom Aufbau eines friedlichen Feriendorfes an einem tropischen Traumstrand in einem grünen demokratischen Land in Mittelamerika.
Außerdem sollte es hervorragende Möglichkeiten zum Sporttauchen geben; nicht zuletzt hatte ich ja den Kontakt aus einem Fachblatt für den Tauchsport.
Vor meinem geistigen Auge tummelten sich schon viele bunte Fische.
Im Angebot gab es zwei Strandareale mit einer Größe von 6ha. Das Land sollte jetzt noch günstig zu erwerben sein.
Es sei damit zu rechnen, daß die Preise bald rapide ansteigen.
„Jeder Mitbegründer kauft ein Lot seiner Wahl, das ihm bzw. seiner Gesellschaft gehört und auf dem das eigene Geschäft, eigenes Heim, Touristen-Rancho ...“ ( in Costa Rica bezeichnet man Parzelle als „Lot“)
Das ganze hatte den Titel: – Existenzgründungsmöglichkeiten im Ferien-und Wassersport-Resort ...
In Abstimmung mit den individuellen Nutzungsvorstellungen eines jeden Einsteigers, sollten sogenannte Geschäftsmonopole vergeben werden, um Konkurrenzsituationen zu vermeiden (und um Synergieeffekte durch das Zusammenwirken der Beteiligten zu schaffen).
Ich teilte dem Heiler mit, daß seine Angebote bei mir auf sehr großes Interesse gestoßen wären und ich beschloß, mir die Dinge im Januar 1999 vor Ort anzuschauen, um entscheiden zu können, ob ich mich dort engagieren werde.
Zwischenzeitlich wollte ich den Kontakt vertiefen und bat
Ihn, mir mitzuteilen, ob ein Treffen mit den schon gefundenen Grundstückskäufern möglich sei, um deren Vorstellungen kennenzulernen und um mitzuhelfen die individuellen Bedürfnisse bezüglich Grundstückswahl und Betriebskonzept gegeneinander abzugleichen.
Bis zum Ende des Sommers 1998 riß aber die Verbindung zum Heiler wieder ab. Weder über die in der Info angegebene Kontaktadresse in Deutschland, noch über seinen Telefonanschluß in Costa-Rica konnte ich Auskünfte erhalten.
Im September 1998 bekam ich einen Brief.
Der Heiler teilte mit, daß er sich bis November in Deutschland aufhalte und sich mit Interessenten treffen wolle.
Ja, und es gab gute Nachrichten, die mein favorisiertes Projekt betrafen.
Dazu hieß es: „Unser Hauptprojekt, das Wassersport- und Surfcamp Playa Blablabla in der Bahia Pillepup wird ab Dezember in die ´Bauphase´ gehen und eine ´kleine private Wohnsiedlung´ beinhalten, eingebettet in der ruhigen Atmosphäre eines botanischen Strandparks.“
Ach wie nett !!!
„Die dringend benötigte Verbindungsstraße Playa Zancudo nach Pavones wurde vor wenigen Wochen endlich von der lokalen Regierung in Angriff genommen und ist fast fertig erstellt.
„Wir haben nun nicht nur mit unserem 500 Meter Sandstrand unseres Projektes die beste Lage für ein touristisches Projekt, sondern auch die beste Lage an der Verbindungsstraße mit privater ruhiger Zufahrt!“
„... und wird bis Jahresende ebenfalls das öffentliche Strom-und Telefonnetz entlang der Straße komplett verlegt haben!“
und weiter: „Da ein Großteil der Parzellen bereits für privates Wohnen an amerikanische Surfer vergeben wurde, wünschen wir uns für die letzten Parzellen doch einige deutsche Nachbarn mit Pioniergeist...“
Ich war beeindruckt. Es mußte enorme Fortschritte gegeben haben. In meinem Antwortschreiben bedankte ich mich für die Post und bat um einen Termin zum persönlichen Kennenlernen.
Das 1.Treffen fand im September in der Wohnung eines Freundes des Heilers in Süddeutschland statt.
Die Berichte über die Aktivitäten seiner Gesellschaft mit Namen „ Los Ultimos Muchachos “ im fernen Costa-Rica (reiche Küste) am Golfo Dulce (süßer Golf) klangen genau so, wie ich es hören wollte.
Ich zappelte am Haken. Ja, da wollte ich hin.
Später sollte ich dort nicht nur den berühmtesten Regenwaldführer der Gegend kennenlernen, sondern auch den durchgeknallten Rainer und seine Maria, Rainers blonden Sohn, einen selbsternannten Experten für Permakultur, Reiiki und Solarkocher, Hans, der sich betrunken vom Pick-up stürzte und sich das Bein brach, 3 kleine Italiener, die von einer Pizza im Regenwald träumten, Rauschgiftdealer, Präkulumbianische Kunst, Tumbaga, Chicas, sowie die einschlägigen Puffs an der Grenze zu Panama. Paso Canoas.
Der Heiler beklagte das zu große Mißtrauen der meisten Deutschen Interessenten aufgrund ihrer Mentalität gegenüber seinen Projekten.
Es handele sich in Costa-Rica aber um sichere Investitionen mit enormer Wertsteigerung.
Hier gäbe es eine vergleichbare Gesetzgebung mit demokratischer Tradition wie in Deutschland und gerade in der südlichen Region sei aufgrund der unvergleichlichen Naturrefugien mit einer sprunghaften Entwicklung des Tourismus zu rechnen.
Er bot mir an, zu einem Vorzugspreis in das Projekt einzusteigen, wenn ich dafür eine Anzahlung in Höhe von
2000 $US leisten würde.
Er betonte ausdrücklich, daß er dies auch nur deshalb mache, weil kurzfristig noch Mittel für eine Küche und zahlreiche andere Einrichtungsgegenstände benötigt würden, um sein Gästehaus in Golfito bis Jahresende fertigzustellen, für das sich bereits zahlreiche Besucher angemeldet hätten.
Außerdem lege er Wert darauf, daß weitere deutsche Interessenten in das Projekt einsteigen, da er sich auch Nachbarn aus seinem Kulturkreis wünsche.
Ich war regelrecht gerührt und so entschloß ich mich, entgegen meiner Preußischen Grundsätze, einen Vertrauensvorschuß in Form der geforderten Anzahlung auf ein Grundstück zu leisten.
Dem Heiler wollte ich trauen. War er doch trotz seiner roten Haare Träger des schwarzen Gürtels in einer asiatischen Kampfsportart und ein Jahr in einem buddhistischen Kloster.
Das nächste Treffen konnte verabredet werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir schon weitere Gedanken zu „meinem Projekt“ machen, ein Konzept entwickeln und den Vertrag aufsetzen.
Für meine privaten Zwecke und zum Betrieb einer Tauchbasis,
erschien mir ein Grundstück mit einer Größe von ca. 875 m² in erster Reihe am Strand ausreichend und der dafür geforderte Preis von umgerechnet ca. 30.000,- DM gerechtfertigt und erschwinglich.
Im Oktober bekam der Heiler 2000,-Dollar Cash als Anzahlung. Beim Treffen unterschrieben wir den Vertrag. Anfang Januar wollten wir uns in Costa-Rica wiedersehen, um den Kauf perfekt zu machen.
Januar 1999 saß ich im Flieger nach San Jose und es galt nun, die Versprechungen mit der mittelamerikanischen Realität abzugleichen.
Bei meiner Ankunft bis zum Zeitpunkt meiner Rückkehr nach Deutschland im Juni, gab es weder Straße, Strom, Telefon noch ein Camp an der Playa. Es paßte nichts, alles erstunken und erlogen.
Vor Ort angekommen zweigte von der Hauptstraße ein ca. 2.50m breiter unbefestigter Feldweg ab, der nach 5 Kilometern
250m vom Strand endete.
Eine Bautätigkeit wie angekündigt: „eine kleine private Wohnsiedlung...eingebettet in der ruhigen Atmosphäre eines botanischen Strandparks.“ war nicht festzustellen.
Von Amtswegen war über die gesamte Strandregion ein Baustopp verhängt worden.
In Gesprächen mit dem Heiler war nun zu hören, daß bis auf einen „Freak“ aus Berlin, der vor ein paar Jahren an unverhofftes Geld aus einer Erbschaft gekommen sein soll, bisher kein weiterer Interessent eingestiegen sei.
Keine Rede mehr von amerikanischen Surfern.
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Nun schien aber auch alles in Frage gestellt zu sein.
Das Verhalten des Heilers nahm starke psychopathische Züge an. Er glänzte durch schulmeisterlichen Belehrungen, Drohgebärden und Beleidigungen.
Eine geheimnisvolle Tropenkrankheit ?
Es stellte sich heraus, daß der Heiler nicht Eigentümer der Grundstücke war.
Ich hatte bis dahin eine Menge Geld, Zeit und Energie in das Projekt investiert. Neben Überlegungen zum Bebauungsplan und zum Entwurf meiner Ferienhäuser, erarbeitete ich, noch in Deutschland eine aufwendige in Englisch und Deutsch abgefaßte Homepage für das Internet, die beim Bewerben der Projekte in Costa-Rica hilfreich sein sollte.
Für die Koordination und Kundenbetreuung wurde eine Fachkraft eingearbeitet.
Da ich meine Hoffnungen auf „mein Grundstück am Meer“, natürlich auch aufgrund der recht erheblichen Vorleistungen und meiner Gewinnüberlegungen, nicht so ohne weiteres aufgeben wollte, stellte sich mir die Frage, ob sich unter den vorgefundenen Bedingungen die Umwandlung des Grundstücks-Kaufvertrages in einen Vertrag zur Übernahme einer Pacht rechtfertigen würde.
Strandland wird der sogenannten „Zona Maritima“ zugeordnet und gehört nach costaricanischem Recht dem Staat. Es ist unverkäuflich und es gibt lediglich die Möglichkeit zur Pacht.
Hat man eine Pacht ordnungsgemäß verbriefen lassen, und das kann man auch als Angehöriger eines anderen Staates, ist der Besitz weitgehend gesichert.
Die Pacht kann aber angefochten werden, wenn jemand ältere Rechte nachweist, oder der Pächter seiner Verpflichtung nicht nachkommt, den jährlichen fällig werdenden Obolus an den Staat zu entrichten.
Erreichbarkeit und Stand der Entwicklung der Gegend ist ungenügend.
Für eine Anreise aus Europa habe ich 3 Tage benötigt. Selbst bei straffer Organisation läßt sich die Anreise auf bestenfalls 2 Tage verkürzen, jedoch auf jeden Fall mit einer Übernachtung in San Jose`.
Für einen europäischen Kurzurlauber ist dies sehr aufwendig.
Der Strandabschnitt ist nicht an das öffentliche Verkehrsnetz (Bus) angeschlossen.
Von der Verbindungsstraße benötigt man mit einem Taxi (eine Strecke ca.40-,US$) auf einer mit Schlaglöchern übersäten Schotterpiste bis zur nächsten nennenswerten Ortschaft mehr als 1 Stunde.
Viele Fahrzeuge haben aufgrund der unzureichenden Straßenverhältnisse schwere Schäden an den Fahrwerken.
Daß eine Entwicklung in dieser Region von der Regierung gewünscht und gefördert wird, ist nicht anzunehmen.
Die Bebauung am Nachbarstrand, der Playa-Zancudo, kann auf eine Entwicklung von 20 Jahren zurückblickt werden.
Von einer einigermaßen zufriedenstellenden Saison kann lediglich in den Monaten Januar bis März die Rede sein.
Die Ausstattungen der Unterbringungen und der Restaurationen liegen in der Regel im unteren bis mittleren Niveau.
Ein einfaches Zimmer kostet hier zwischen 2 – 5€ .
Die meisten Unternehmungen müssen mit einem bescheidenen Einkommen und sehr einfachem Auskommen zufrieden sein.
Schon jemand, der sich einen PKW leisten kann, gilt hier als wohlhabend.
Es gibt eine ganze Reihe noch unbebauter Grundstücke, die schon lange auf Pächter warten und sehr günstig angeboten werden.
Aufgrund des sehr großen Angebots und der geringen Nachfrage nach Grundstücken purzeln die Preise.
Die Gegend hat dunkelbraune bis anthrazitfarbene
Sandstrände, an die große Mengen von Treibholz angeschwemmt werden. Nicht gerade einladend.
Bei Flut sollte man nicht ins Wasser gehen, da Verletzungsgefahr an umhertreibenden Holzstämmen besteht.
Es kann zu sehr hohen Brandungswellen und zu ablandigen Strömungen kommen. Auch für gute Schwimmer keine leichte Aufgabe das sichere Ufer wieder zu erreichen.
Positiv sind die angenehmen Wassertemperaturen, sowie die unmittelbare Nähe von Primärwaldgebieten mit vielfätiger Flora und Fauna... Mangroven, Pelikane, Fregattvögel, Brüllaffen, Krokodile. Aber auch Moskitos, Puruchas, Ameisen und Kakerlaken, die durch das Haus laufen.
Keine weiteren Attraktionen, die einen Aufenthalt von mehr als 3 Tagen für einen Urlauber, der Abwechslung gewohnt ist, rechtfertigen würden, zumal Costa Rica eine ganze Reihe hervorragender Besichtigungsorte vorweisen kann und das Nachbarland Panama ebenfalls mit ganz ausgezeichneten Angeboten lockt.
Für den Bau von weiteren Ferieneinrichtungen besteht absolut kein Bedarf. Der Tourismus-Boom in Costa-Rica, wenn es einen solchen denn jemals gegeben haben mag, ist verebbt.
Während der Hauptsaison (Januar bis März) liegt die Auslastung der Hotels bei 55%, während der Nebensaison (April bis Dezember) bei weniger als 30%.
Der Strand wäre für den Aufbau einer Tauchbasis gänzlich ungeeignet.
Es gibt leider keine interessanten Tauchgebiete in der Nähe.
Man muß mindestens 1.5 Stunden Fahrt mit einem PS-starken Boot rechnen, um einigermaßen attraktive Tauchziele zu erreichen.
Das ist unwirtschaftlich.
Die Region zählt zu den am wenigsten entwickelten Gegenden Costa-Ricas an der Grenze zum Dschungel von Panama.
Übernimmt man eine Pacht an diesem einsamen Pazifikstrand,
sind damit zusätzliche Pflichten und Vorsichtsmaßnahmen verbunden und man sollte die örtlichen Gepflogenheiten stets bedenken.
Die Region gilt als unsicher. Es gibt Landbesetzer und Diebe.
Ausländische Hausbesitzer werden während ihrer Abwesenheit ausgeraubt.
Das Tragen von Stich- und Feuerwaffen ist gebräuchlich.
Vor ca. 3 Jahren gab es hier eine Schießerei zwischen einem Landbesetzer und einem US-Amerikaner, bei der beide umgekommen sind.
Wenn man gepachtetes Land besitzt, muß man es bewachen, um sich vor Landbesetzern zu schützen. Das Material zum Bau von Gebäuden wird gestohlen, wenn man es unbeaufsichtigt läßt.
Verwirrt, ratlos und verwundert über den ganzen Wahnsinn und natürlich sauer über meine Leichtgläubigkeit, beschloß ich Abstand zu nehmen.
Zurück in Deutschland:
Die Geschichte endete mit einer Verhandlung in 2001 vor einem Amtsgericht in der Nähe von Stuttgart. Der gegnerische Rechtsanwalt schien mit dem Richter verschwägert zu sein und somit ging auch diese Schlacht verloren. Es galt die Meinung, man müsse wissen, daß man im Ausland beschissen wird. Klage abgelehnt. Gerichtskosten, Kosten des Heilers und seines Anwalts, meine Kosten und die meines Anwalts zu meinen Lasten.
Fazit:
Costa Rica ist ein schönes Reiseland und ein Eldorado für Naturforscher. Investitionen in den Tourismus sind mit sehr hohem Risiko verbunden. Wenn man nichts zu verschenken hat, sollte man die Finger davon lassen.
Merke: Dem Sendungsbewußtsein einiger Mitmenschen scheinen keine Grenzen gesetzt.
Wo beginnt die Fiktion, wo der Wahnsinn?
Pura vida !
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11.09.200615:32 Uhr
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el gallito



