Werte Forumsgemeinde, nach langem hin und her habe ich mich nun entschieden einen Reisebericht ins Netz zu stellen... viel Spass !
Erwähnen möchte ich noch, dass wir uns die Reise inkl. Unterkünfte mit fachmännischer Hilfe vorher zusammenstellten, damit wir dieses Land (wir waren noch nie in den Tropen) in vollen Zügen und ohne Stress geniessen und entdecken konnten. Wir besuchten ausschliesslich Lodges und Parks abseits des Massentourismusses, verzichteten deshalb auch auf Manuel Antonio oder Monteverde. Ebenfalls sparten wir nicht bei geführten Touren auf dem Land, per Pferd oder Wasser, einen Entscheid, denn wir ebenfalls nicht bereuten. Diese Führungen waren allesamt im kleinen Rahmen, 2 bis 6 Personen und nur dort, wo man alleine nur schwierig durch den Park findet (Bsp. Mangrovenwald per Boot, Primärwald usw.). Ansonsten besuchten wir die National Parks auf eigene Faust.
Zu der Reise :
Gebucht über MD-Tours (costarica-individuell). Autovermieter Poas, Betreuung in Costa Rica durch ARA Tours. Mittelklasshotels resp. Lodges in familiärer Atmosphäre. Flug mit Martinair/KLM von Bern nach San Jose und zurück.
Reisezeit :
8.2. bis 3.3.
Begonnen hatte alles am Flughafen Bern-Belp… ein Bubentraum ging in Erfüllung, einmal von Bern aus in die Ferien jeten, und dann gleich nach Costa Rica ! (Anm. diesen Flugplatz kann man sogar mit dem Fahrrad in kurzer Zeit erreichen und die Check-In Zeit beträgt max.20 Minuten...) Die Zwischenstopps sind zwar lästig, aber für mich auch immer Gelegenheit zum körperlichen und geistigen Auftanken. Insbesondere der Halt in Miami ist natürlich einen Bericht wert, allerdings könnte man ganz gerne auf solche Aktionen verzichten… obwohl wir keine Probleme mit dem Ausfüllen hatten ist natürlich die Prozedur mühsam und nach 9 Stunden Flugzeit auch nervig... übrigens, wer den Wisch falsch ausfüllt, also zb. bei Destination nicht San Jose reinschreibt, der darf nochmals von vorne… unter uns, und trotz allem Sicherheitswahn der Amis, auch irgendwie verständlich… obwohl es gerade die Amis sind, die bei uns am Bahnhof nach dem Bus nach Paris fragen.
Nach geschlagenen 18 Stunden standen wir vor dem Flughafengebäude des Int. Flughafens Juan Santamaria in San Jose. Wohlweislich hatten wir das erste Hotel in Alajuela und nicht in San Jose gebucht, nach 20 Minuten und kurzer Begrüssung der Ara-Crew standen wir bereits auf dem Balkon des Buena Vista und bestaunten den Sternenhimmel, der wohl klarer nicht mehr sein könnte und der uns noch etliche Abende verzückte - was für ein Beginn ! Die Hiobsbotschaft meiner Partnerin riss mich aber leider kurzerhand aus den Träumen – wir hatten in der Aufregung einen falschen Rucksack eingepackt, das gleiche Modell, die gleichen Farben, aber eben... und damit die erste Bewährungsprobe in diesem uns noch so fremden Land. An diesem Abend erlebten wir das erste Mal die Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft der Ticos. Natürlich wurden wir nach einem Kurztelefonat mit Martinair zum Flughafen chauffiert und erhielten ohne grossen Aufwand Zutritt zur Gepäckaugabe, man stelle sich dies in Zürich oder Frankfurt vor… Kostenpunkt : 10Dollars für den Taxichauffeur, wovon wohl 5Dollar irgendwo im Flughafen resp. bei der Wachmanschaft liegen blieben… nach sagenhaften 45 Minuten waren wir wieder am gleichen Punkt, dafür aber mit dem richtigen Gepäckstück und der wiedergewonnenen Lebensfreude ! (Anm. Dem Besitzer des vertauschten Rucksackes sei hiermit noch einmal eine herzliche Entschuldigung gewidmet)
Die ersten drei Tage verbrachten wir ohne Mietauto in der Laguna del Lagarto Lodge, einem wirklich wunderbaren Anwesen inmitten einer Lagune, sozusagen, der erste Kontakt mit dem Urwald ! Die Fahrt war übrigens äusserst Interessant, Luis hiess der Chauffeur, mit fliessendem Englisch ausgerüstet - jedenfalls hatten wir während diesen 4 Stunden so ziemlich alles über Costa Rica erfahren, was uns schon über Wochen vor der Abreise brennend interessiert hatte. Wir wurden u.a. auch in ein paar Geheimnisse der Natur eingeführt, die ersten Faultiere am Strassenrand, eine Tarantel, wenn auch nur in einem Glasbehälter, Papageien und das erste Essen in einem Soda prägten den Tripp nach Boca Tapada. Den ersten Ausflug auf eigene Faust unternahmen wir am Nachmittag per Kanu auf der Lagune. Eine abenteuerliche Fahrt durch den Wald mit seinen geheimnisvollen Geräuschen, unendlich vielfältiger Flora, feinen Nieselregen und dem ersten Kontakt mit einem Tier der Gattung definitiv kein Kuscheltier… keine 3 Meter neben uns entdeckten wir plötzlich ein Krokodil, oder das, was normalerweise aus dem Wasser ragt, die Augen und die Nasenlöcher… den aufgestellten Rekord im Kanufahren kann man im Guinessbuch nachlesen, jedenfalls hatte uns das Tier einen gehörigen Schock eingejagt und ich hatte das Gefühl, dass man hier als Mensch ganz auf sich gestellt ist… zwei Imperials später löste sich das Geheimnis um das Ungeheuer, ein Kaiman namens Charlie und dazu noch quasi das Haustier der Lodge hatte uns beim Durchqueren der Sumpflandschaft überrascht… huahua... typisch Touristen… dafür war damit auch frühzeitig der Bann gebrochen und wir durchquerten ab diesem Tag die Wälder ohne Furcht vor „bösen“ Tieren. Jedenfalls, diesen Einstieg kann ich jedem Erstbesucher von Costa Rica empfehlen, man ist quasi unter sich, sieht allerlei Getiere und kann sich von den Führern aus dem Nachbardorf die viele geheimnisvollen Pflanzen, Bäume und Tiere erklären lassen… Tiere, die man oftmals ohne Führer nicht so schnell zu Gesicht bekommt… ein Naturparadis ! Das Essen, das sei hier noch erwähnt, wurde auf der ganzen Reise nur noch von Italienern übertroffen… leider...
Die nächsten Tage verbrachten wir in der Region des Arenals, ab dem zweiten Tag mit dem Mietauto, einem Suzuki Grand Vitara 4WD (Anm. Wer sich etwas abseits der Touristenströme bewegt, ist ohne 4x4 eingeschränkt, auch während der sogenannten Trockenzeit am Pazifik). Obwohl uns der Arenal am Nachmittag vor lauter Wolken verborgen blieb, kamen wir gegen Abend in den Genuss der vulkanischen Tätigkeit, die Wolken verflüchtigten sich so schnell, wie sie sich am nächsten Morgen wieder um den Berg hüllten. Die Region Arenal bietet einige wunderbare Wandermöglichkeiten, besonders auf der Rückseite des Vulkans, wo wir im Privatpark Refugio del Silencio (2Dollars/Per.) durch den Wald wanderten und die gewaltigen Ausblicke auf den Vulkan und den Sonnenuntergang genossen. Die Abendstunden verbrachten wir bewaffnet mit einem Drink in den warmen Pools der Baldi Thermen (Eintritt 10Dollars, Drinks 3Dollars) und bewunderten die Tätigkeit des Arenals und die Lava, die wie ein Feuerwerkskörper aus dem Krater funkt und danach den Berg runterrollt... wenn man die Augen schliesst und sich nur aufs Hören konzentriert, kann man das Donnern, Grollen und Poltern des Vulkans wahrnehmen, auch dies ein unglaubliches Erlebnis...
Die Fahrt von La Fortuna nach Tileran offerierte uns eine weitere magische Seite des Landes - man wähnte sich in Schottland oder Irland, Regen löste Sonnenschein ab, dazu die atemberaubenden Ausblicke auf den See und die Wolkenformationen… das Ganze auf einer Strasse, die vor lauter Schlaglöchern kaum befahrbar ist. Trotzdem erreichten wir das Ende des Sees, dort wo die Surfer auch bei misslichsten Verhältnissen auf ihren Brettern über den See flitzen. Wer die Ruhe sucht und den gewaltigen Ausblick auf den See und den Arenal zu schätzen weiss, der ist im Hotel Mystica bei Tillaran bestens aufgehoben, zumal die Pizzen auch in Italien konkurrenzfähig wären ! Die Ruhe in der Hotelanlage und die mystischen Wolkenspiele am Himmel luden uns zum Lesen und Faulenzen ein... den gezähmten Papagei, der schon morgens um sechs auf meiner Schulter sass, brachten wir schlussendlich nur mit Hilfe des Hotelpersonals aus dem Auto… der hatte wohl den Narren an mir gefressen…
Nach einer langen Fahrt durch die trockene Region Gunacaste und einem Kurzabstecher nach Liberia erreichten wir schliesslich den Nationalpark Rincon de la Vieja, ein Gebiet mit vulkanischer Tätigkeit. Zuerst aber möchte ich noch den Geldwechsel in Liberia erwähnen; Travellercheques in Colones umwandeln, etwas, dass man eigentlich nicht machen muss, da die meisten Hotels resp. Restaurants diese Cheques mit Handkuss nehmen, aber eben, man muss seine Erfahrungen machen und irgendwie gehören halt die Colones zu Costa Rica, man möchte ja auch nicht dauernd mit dem Silberding von Mastercard oder Visa aufsehen erregen… Trotz Samstagmittag und einer Kolonne von etwa 50 Personen war nur ein Schalter geöffnet, die anderen neun waren wohl zur Dekoration gedacht… die 2 Stunden Banco Nacional bescherte mir etwas Sozialstudien, ein paar nette Augenkontakte und eine kleinere Erkältung, die sich dank der 40grädigen Lufttemperatur auch gleich wieder verflüchtigte… gewohnt haben wir in der Rincon de la Vieja Lodge, 2 km vor dem Eingang des Nationalparkes, die zwar wunderbar gelegen, aber von uns aus gesehen nicht ganz günstige Touren und Mahlzeiten anbietet. Allerdings muss man erwähnen, dass die anderen Lodges in der Region ebenfalls eher teuer sind und zudem noch weiter vom Eingang entfernt liegen.
Der Park selber gehörte für uns zu den schönsten Regionen des Landes, weshalb kann ich nur schwer beantworten, vielleicht liegt es an den wenigen Touristen, der abwechslungsreichen und ausgedehnten Wandermöglichkeiten (Trails von 2 bis 8h, hin und zurück) oder den kleinen Vulkanen, die blubbernd und broddelnd im Park verteilt sind, vielleicht diese geheimnisvolle Stille, die Wasserfälle oder die Naturquellen (Azufrales) mit ihrem 35 grädigen schwefelhaltigen Wasser in dem man wunderbar einen Wellnessnachmittag verbringen kann... übrigens, bei den Quellen tauchte eine Schlange auf, die äusserst auffällig mit rot, gelb, schwarz und weiss geringt war… nach Rücksprache mit dem Parkranger erwies sich das Ding aber als eine falsche Korallenschlange, die ungiftige ! Nebst den roten und grünen Fröschen habe ich noch selten ein Tier gesehen, das mich mit seiner Farbenpracht und den intensiven scharf gezeichneten Mustern mehr beeindruckte. Leider sind uns dort die ersten Badelatschen-Touristen über den Weg gelaufen, diese gehören zur Spezies der Deppen und gehören in Costa Rica inzwischen zur Tagesordnung, weshalb ist mir nicht klar, die Spassgesellschaft hat sich zum Glück noch nicht in Massen auf dieses Land gestürzt, aber die Badelatschen deuten darauf hin, dass es auch in Costa Rica zu sichtbaren Veränderungen gekommen ist… Tagestouren von den Beaches in die Parks gehören inzwischen wohl zum Standartprogramm, aufgeschundene blutige Beine auch, denn die Wurzeln sind oft feucht und glitschig…
Wer nach dem Park noch nicht genug wilde Tiere gesehen hat, dem sei noch der Besuch im nahe gelegenen Privatzoo Las Pumas empfohlen, der unwiderruflich aufzeigt, dass der Mensch im Umgang mit der Tierwelt oftmals eine unrühmliche Rolle spielt - gestutzte Flügel bei Papageien oder Wildkatzen aus illegalen Tiertransporten finden in diesem kleinen Zoo ein neues Zuhause…
Nach genau einer Woche war es dann soweit - der Pazifik erstreckte sich zu unseren Füssen und wir genossen das erste Bad und den ersten Sonnenuntergang am Meer ! Wir verbrachten ein paar Tage in der Region Nosara nahe dem Naturreservat Ostional, das leider noch nicht offziell unter dem Patronat der Nationalen Parks steht. Bereits bei der Ankunft wurden wir mit der Nachricht begrüsst, dass die Schildkröten diesmal früher dran seien und der Strand von Ostional am letzten Tag voll von diesen war. Normalerweise kommen diese Tiere erst im April in diese Region... Für uns natürlich DIE Gelegenheit am nächsten Morgen um 5h loszufahren und das Naturschauspiel mitzuerleben… und es war ein Schauspiel… tausende von Schildkröten mühten sich den Weg vom Strand zum Meer ab, wo sie ihre ca. 100 Eier in den Sand verbuddelten - dies unter den Augen hunderter Geier und Einheimischen, die Sackweise Eier plünderten um diese für gutes Geld zu verkaufen… dies dürfen sie auch offiziell an den ersten Tagen machen, am letzten Tag ist aber niemand mehr da, der dies kontrollieren würde… noch nicht… für uns war es trotzdem der eindrücklichste Moment der ganzen Reise, so etwas Schönes hatten wir beide noch nie gesehen !
Entgegen gegenteiligen Berichten empfanden wir Nosara als äusserst ruhig und angenehm - was sind schon ein paar Surfer, wenn man ansonst den traumhaften Strand resp. die Strände für sich alleine hat und Amis hats weiss Gott überall in Costa Rica, da sind mir die eigenwilligen Surfer aus den Staaten wesentlich lieber, als die europäischen Badelatschentouristen in den Wäldern !
Auf Rat der Hotelbesitzerin machten wir auch eine lange Bootstour mit Toni, einem ausgewanderten Deutschen, der schon zuvor Jahrelang in Paraguay lebte - dank seinem enormen Wissen und der sehr persönlichen Führung erfuhren wir viel Wissenswertes über die geschützten Mangrovenwälder und die Tierwelt, die sich darin aufhält - Krokodile, Vögel und etliche Fische konnten wir vom Boot aus beobachten. Das Geheimnis von Tonis Boot liegt darin, dass es einen Elektromotor besitzt, der absolut keinen Lärm verursacht, was sich wiederum positiv auf das Fluchtverhalten der Tiere ausübt. Sie reagieren erst kurz bevor das Boot schon fast neben ihnen treibt... wenn überhaupt ! Wirklich eine äusserst empfehlenswerte Tour und für die paar Dollar kriegt man wohl kaum mehr Tiere vor die Linse. Angeblich soll ein Mann sechs Jahre Zuchthaus erhalten haben, weil er einen Ast im besagten Mangrovenwald gekappt hatte, die Gesetze zum Schutze der Mangroven sind enorm streng - sicherlich richtig, es steht halt einfach im krassen Widerspruch zu den Umweltsünden, die man mancherorts sieht - ein Land der Gegensätze, auf der einen Seite die Parks, die restriktive Massnahmen aussprechen auf der anderen Seite die Ticos, die den Wert der Natur oft nicht erkennen und die Strassengräben und Flüsse als Abfallkübel benutzen… oder die ausländischen Makler, die mit ihrem Geld die Richter schmieren, damit das neu erworbene Grundstück gerodet werden darf... es gibt sicherlich noch viel zu tun in diesem Land !
Die nächste Strecke von Nosara nach Montezuma legten wir entgegen der ursprünglichen Planung an der Küste entlang zurück, ein Entscheid, der sich als richtig erwies, ist doch die Strecke dort äusserst abenteuerlich und abwechslungsreich. Ohne 4x4 allerdings nicht befahrbar, muss man doch etliche Flüsse durchqueren und viele brutale Steigungen auf Kiesstrassen überwinden. Unterwegs, nachdem man ein paar abenteuerliche Kilometer am Sandstrand entlang fahren muss, „entdeckten“ wir die malerisch gelegene Playa Manzanillo, die uns einen traumhaften Badenachmittag bescherte. Kein Mensch war an diesem Traumstrand, nur Sand, Palmen, Mandelbäume und das Meer, das zum Baden einlud. Immer mit der nötigen Vorsicht (Strömungen), kann man dort wunderbar im Wasser einige Runden schwimmen - das klare Meer präsentiert einem Blicke auf Fische, Rochen und andere Meerestiere (Anm. Es lohnt sich übrigens, wenn man die Strandschuhe ins Wasser anzieht, weil die StingRays verursachen heftigste Schmerzen, wenn sie in Strandnähe ihr Paarungsrituale vollziehen).
Angeblich sei Montezuma sehr teuer und äusserst touristisch, sagt der Reise Know-How. Trotzdem besuchten wir Montezuma, das wir gegenteilig als ein für Costa Rica recht hübsches Dorf empfanden. Die schönen wilden Strände, die zum langen Wandern einladen, ein paar Boutiqen und zahlreiche kleine und gute Restaurants, that’s it. Montezuma wird hauptsächlich von jüngeren Touristen besucht, was dem Dorf einen lässigen unkomplizierten Charakter vermittelt - man vergleiche dazu Jaco…obwohl man Montezuma inzwischen Montefuma nennt, eine Anspielung auf den Kannabiskonsum, sind uns dort nicht mehr oder weniger mögliche Drogenkonsumenten, als in anderen Orten aufgefallen... Bei Lucie am Ende des Dorfes assen wir übrigens ausgezeichnete Fajitas und das Hotel Horizontes ist definitiv ein längerer Besuch wert ! Auch dort würde ich sofort wieder hingehen...
Die schönste Wanderung in der Gegend machten wir im Cabo Blanco, dem Nationalpark in der Nähe von Montezuma. Auch dies ein eher kleiner nicht stark frequentierter Park, der einen wunderschönen Tag in Anspruch nahm. Nach 3 Stunden Wanderung kann man schweissgebadet an einer schönen Bucht die nötige Abkühlung geniessen, die kritisch von vielen Affen und Pelikanen begutachtet wird. Dieser Park besitzt erst zwei Trails, der Rest des Waldes ist noch unberührt und sollte es wohl auch bleiben ! Für uns waren die gemütlichen Wanderungen immer das schönste während der Reise - ein Knacken, ein Rascheln und plötzlich sieht man ein paar Nasenbären, die nach Futter in den Blättern stöbern oder eine Horde Affen, die sich durch die Bäume hangeln…
Die nächste Fahrt verlief von Montezuma via Fähre von Paquena nach Puntarenas über Jaco nach Matapalo, einer Ortschaft etwas südlich von Quepos am letzten ungeteerten Teil der vielbefahrerenen Strasse. Matapalo liegt am wunderschönen ca. 50km langen Strand von Quepos nach Dominical und ist dermassen verschlafen, dass man sich auf einer Insel wähnt. Nachdem wir ein paar Touristen getroffen hatten, die am Tag zuvor in Manuel Antonio Schlange standen entschieden wir uns spontan für einen Ausflug zum Park Hacienda Baru, der nur knapp eine halbe Stunde südlich von Matapalo liegt. Der Park Balu ist eher klein und inzwischen gleich teuer, wie alle anderen Parks, was ich zuerst als zu teuer empfand, da es sich eigentlich um den Park einer Lodge handelt. Aber man trifft dort wiederum auf alle Tiere, die sich in der Nähe des Meers und im Wald aufhalten und man ist wirklich absolut alleine, was ich dann wiederum den Preis gerechtfertigt empfand… auf einem Trail sahen wir auch zum ersten Mal die farbigen Landkrabben, die sich zu hunderten entlang des Pfades tummelten – eindrücklich, wie diese wie auf Kommando vor den nahenden Menschen ins Unterholz flüchten – kurz darauf lassen sie sich aber schon wieder blicken und krabbeln vorsichtig unter den Blättern hervor... herrlich... Etwas weiter südlich besuchten wir die Playa Uvita, die man wohl getrost als Paradies bezeichnet darf. Man kann dort sehr gut baden, weil die gesamte Bucht von einer vorgelagerten Inselgruppe geschützt wird, die Wellen sind klein und das Meer weniger aufgewühlt, als an anderen Stränden der Küste. Die Playa gehört zum Bahia Ballena Unterwasser-Nationalpark (Eintritt ca. 2 Dollar). Eine kleine Wanderung bei Ebbe später befindet man sich auf einer vorgelagerten Insel, die bei Flut nicht mehr zu erreichen ist… wahrlich eine wunderschöne Bucht ! Wir verbrachten dort ein paar tolle Stunden für uns alleine und genossen die Nähe zum Meer – an Wochenenden hat es angeblich etliche einheimische Familien, die dort baden, wobei bei dieser Grösse des Strandes... Leider reichte die Zeit nicht mehr für einen Bootstripp zu den Delphinen, die man dort regelmässig sieht – aber eben, das nächste mal wissen wir genau wo wir allenfalls noch etwas mehr Zeit einrechnen werden !
In Matapalo erlebten wir am zweiten Abend ein Naturschauspiel der Marke umwerfend : Von den Bergen her türmten sich riesige schwarze Wolken über den Palmen und zugleich begann der Sonnenuntergang mit atemberaubenden Farbstimmungen… das berühmte Tüpchen auf dem i lieferte dann der einsetzende Tropische Regen, der auf uns Badende niederging, derweil der Himmel und der Sonnenuntergang apokalyptische Ausmasse annahm… nach einer Stunde war das Ganze vorbei und was blieb war ein Fischteller unter dem Strohdach, auf das der Regen unaufhörlich weiter trommelte… selbstverständlich war am nächsten Morgen wieder alles in grelles Sonnenlicht getaucht und der Strand präsentiert sich leer und gereinigt vom Regen der letzten Nacht… auch das war ein eher untypisches Elebnis an der Pazifikküste, regnet es dort sonst nie zu dieser Zeit… die vierstündige Reittour beginnend am frühen Morgen war dann etwas vom eindrücklichsten, was man in Costa Rica wohl machen kann - bei Ebbe den riesigen Strand entlang reiten und zwischendurch Früchte von den strandnahen Bäumen pflücken - Natur pur !
Die letzte Station am Pazifik war Golfito. Diese Ortschaft wird wohl zu unrecht oftmals in den Reiserouten vergessen, die Strände sind zwar nicht besonders schön und im Gegensatz zum Norden fällt hier auch deutlich mehr Regen, aber die Landschaft ist wunderschön – begrünte Hügel bis an die Küste, eine ruhige malerische Bucht und irgendwie hatten wir das Gefühl, dass hier noch trotz der augenfälligen Armut ein Stück wahres Costa Rica erhalten geblieben ist… so oder so, den Süden des Landes würde ich bei meiner zweiten Reise als Schwerpunkt einbauen, die Küsten und die Bergregion ist touristisch weniger erschlossen und es gibt sehr viele Tourmöglichkeiten, zb. Parque Corcovado oder die Küstenregion südlich von Golfito. Wer sich genauer informieren möchte, dem kann ich die La Purruja Lodge wärmstens empfehlen, der Besitzer, ein auf diesem Forum nicht gänzlich unbekannter Schweizer, berät kompetent, was man in der Region und in Costa Rica so alles erleben kann… Schade waren wir dort nur zwei Tage, ich könnte wochenlang in dieser Gegend leben und die Natur entdecken. Als kleines Highlight würde ich die Esquinas Rainforest Lodge bezeichnen, die wir zwar nur zwecks Wanderung besuchten (freier Eintritt), die aber einen Regenwald besitzt und mit Spendengeldern auch weiter ausbaut. Diese Lodge gilt als die erste Non-Profit Lodge, die Einnahmen fliessen in Projekte für die Rettung der Natur und die umliegenden Dörfer - wirklich ein super Projekt und die ansäsigen österreichischen BiologInnen, die dort ihre Feldarbeiten verrichten, sind wohl die besten Führer, die man sich vorstellen kann… inzwischen habe ich ein Patronat für einen Tucan und 250m2 Urwald erworben, was ich jedem Naturfreund wärmstens empfehlen kann ! (www.regenwald.at)
Danach quälten wir uns den Cerro del la Muerte hinauf, den höchsten Pass von Costa Rica, begleitet von unzähligen Trucks, die eigentlich gescheiter einer Eisenbahn Platz machen würden. Zum ersten und zum Glück einzigen Mal durfte ich die Korruption in diesem Land hautnah miterleben. Die Passstrasse ist mit 50km/h beschränkt, die restliche Interamericana mit 80km/h, was ich fatalerweise nicht bemerkte. Das Resultat dieses Fehlers waren 30km/h zu viel auf dem Laserradar eines Polizisten, der mir unmissverständlich mit dem Entzug der Lizenz drohte. Mein Glück liess ich mich auf keine Diskussion ein, spanisch verstand ich natürlich nicht mehr und mangels Englischkenntnissen des Polizisten endete das Ganze mit einer Zahl auf dem Papier, die er mir versteckt von seinem Kollegen zeigte… natürlich schmierte ich den freundlichen Herrn mit dem lächerlichen Betrag und wir durften die Reise ungestraft fortsetzen… nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich mit dem Polizisten auf Spanisch verhandelt hätte…
Das Ziel dieser Tagesreise war schliesslich das Orosi Tal, nahe Sanjose und Cartago gelegen…
Dass Costa Rica definitiv nichts für Liebhaber von Architektur oder Einkaufsbummel durch Städte ist, mussten wir dann am Beispiel Cartago erleben. Obwohl es Läden wie Sand am Meer gibt empfehle ich allen Reisenden die Städte gescheiter wegzulassen, Costa Rica verzückt durch die Natur und die Tiere, nicht durch Einkaufsparadiese oder kulturelle Höhepunkte, die es halt in diesem Land nie wirklich gab !
Nach einem erfolglosen Versuch den Irazu Vulkan zu sehen, der Nebel hüllte den Berg ein, und einem verregneten Tag beschlossen wir das etwas trostlos wirkende Tal Richtung Karibikküste zu verlassen. Weshalb die geführten Tours den Park, trotz Bemerkung des Parkwächters es sei nichts zu sehen, mit Sturheit besuchen, bleibt wohl ein Rätsel der Menschheit… die paar Dollars kann man sich sparen, die Natur bestimmt alleine, wann ein Vulkan zu besuchen ist und wann man gescheiter weiterreist.
Puerto Viejo, die letzten drei Tage unserer Tour standen uns bevor… im Dorf ist eigentlich nicht viel los, mal abgesehen von den drogenverführten Teenagern, die irgendwie nicht in dieses Land passen - aber eben, der Ort verkauft sich genau so, wie es die vielen Touristen, vermutlich aus gutsituierten Häusern, wünschen… ein wenig Hippie, ein wenig Reggae und Drogen, ein wenig Karibik und ziemlich gesalzene Preise - jedenfalls würde ich Puerto Viejo wohl nicht mehr besuchen, dann schon eher das etwas nördlicher gelegene Cahuita, das sich wesentlich ruhiger gibt…
Nach dem ersten Tag mit Regen und Wolkenverhangenem Himmel bescherte uns der nächste Tag strahlendes Wetter und wir beendeten unsere Tour mit zwei sonnigen Badetagen an der wunderschönen, wilden und geheimnisvollen Küste und dem Besuch im Cahuita National Park… den Park besucht man am besten bei Cahuita, bei diesem Eingang bezahlt man nur eine Spende, bei den anderen Eingängen den vollen Betrag von 6 Dollars pro Person… zum Abschluss der Reise kreuzten wiederum etliche Affen und Vögel unseren Weg… die Wanderung durch den Park beginnt auf einem breiten Wanderweg entlang des Meeres und endet unter anderem an einem kleinen Strand, wo man wunderbar schnorcheln kann... der letzte Sonnenuntergang im Park bewegte uns einmal mehr und wir fassten uns an den Händen uns wussten beide, dass wir einmal, irgendwann wieder in dieses Land zurückkehren werden… wann, steht noch im gigantischen Sternenhimmeln über Costa Rica geschrieben…
mark
Ein paar Tipps für Erstbesucher :
Wer viel sehen möchte und gerne unabhängig ist, dem empfehle ich auf alle Fälle ein Mietauto. Man kann sich lange deswegen Streiten, was denn besser sei, Auto oder Bus, jedenfalls hatten wir deswegen nicht weniger Kontakt zu den Einheimischen, alles eine Frage der Offenheit und Sprachgewandheit!
Die Hotels vorzureservieren hat uns enorm viel Zeit gespart, vor allem in den abgelegenen Orten und Parks - bei einem zweiten Besuch wüssten wir aber genau in welchen Gegenden wir länger verweilen möchten und da lohnt es sich eventuell die Hotels spontan nach Lust und Laune zu buchen - wir hatten wirklich das Glück, dass mehr oder weniger alle Hotels nach unserem Gusto waren ! Dies wohl auch dank der längeren Reisevorbereitung. Eventuell empfiehlt sich auch ein Flexi-Voucher.
Es lohnt sich allemal, wenn man verschiedene Reiseführer mitnimmt und vor der Reise den Besuch von Foren und die Diskussion mit anderen Costa Rica Reisenden pflegt, nur so kann man wohl die subjektiven Wahrnehmungen auf ein vernünftiges Mass brechen, zb. waren wir oftmals mit dem Reise Know-How oder dem Lonely Planet gegenteiliger Meinung, dafür deckten sich die meisten Tipps der Hotelbesitzer mit unseren Erfahrungen und Eindrücken !
Wie schon erwähnt würde ich nie mit Touren sparen, diese Erfahrungen lohnen sich meistens, wenn man das Angebot ein wenig kritisch begutachtet und allenfalls auch nachfragt. Hingegen würde ich mich nie einer Gruppenreise anschliessen, dieses Land ist definitiv ein Individualreiseland, aus meiner Sicht jedenfalls. Wir haben ein paar Europäer getroffen, die 3 Wochen Resort inklusive gebucht hatten, und dann Zusatznächte bei den Parks buchen mussten, weil man diese unmöglich in einem Tag besichtigen kann, ausser man beschränkt sich auf die nahegelegenen und in vernünftiger Zeit zu erreichenden Parks… ein Resort oder eine All-inklusive Lodge kann aber sehr gut als Einstieg oder zum Abspannen nach der Rundreise gebucht werden…
Die Sodas und Restaurants würde ich äusserst kritisch beurteilen, das berühmte Gefühl gibt einem meistens recht ! Also im Zweifelsfall lieber ein anderes Lokal aufsuchen. Der Magen wird es einem vermutlich danken, zumal ich persönlich, ausser den Früchten, kein grosser Freund der Küche dieses Landes bin, obwohl viel Fisch und Gemüse angeboten werden… ich bevorzuge eher die feine Küche, die man leider in Costa Rica oft vergeblich sucht, die Teller sind überfüllt und meist äusserst nahrhaft belegt... die Städte haben mich ebenfalls eher entäuscht, da würde ich jedem abraten, kulturell bieten diese kaum was und die ausgestellten Waren in Kleiderläden entsprechen definitiv nicht unseren europäischen Vorstellungen… auch wenn der Plunder oftmals spottbillig ist !
Und zuletzt, die Zeit, ich empfehle jedem Costa Rica Reisenden viel, sehr viel Zeit auf die Reise mitzunehmen… und Geduld… es lohnt sich auf alle Fälle, wenn man ab und wann eine längere Pause macht, auch mal eine Nebenstrassen befährt und in den Parks mehrere Stunden einrechnet...



