\"Eine Tour zu den noch weitgehend unbekannten Regenwaldgebieten der südlichen Atlantikküste. Ausgangspunkt ist die Selva Bananito Lodge, ein vorbildliches ökologisches Projekt, das mit sanftem Tourismus den Regenwald zu schützen versucht. Die Dschungelgebiete dieser Gegend gehören zum größten zusammenhängenden Schutzgebiet Costa Ricas, dem Amistad-Nationalpark. Sie können uralte Urwaldriesen erklettern oder sich in einem Wasserfall abseilen. Zu Pferd und auch zu Fuß läßt sich der Dschungel erkunden. Von San Jose geht es nach Bananito, und von dort auf einer abenteuerlichen Piste durch Flüsse und Bäche zur Lodge. Eine geführte Dschungelwanderung erwartet sie am zweiten Tag, am dritten Tag können Sie eine Pferdetour buchen und die riesige Finca erkunden, die zur Lodge gehört. Abends geht es zurück nach San Jose.\"
Als wir mit dem Interbus in Bananito ankamen, wartete der Jeep, der uns zur Lodge bringen sollte, schon auf uns. Wir dachten uns, was das für eine alte Schrottkiste ist. Wir schätzen den Jeep auf bestimmt 15 Jahre. Dann erfuhren wir, daß er gerade mal 5 Jahre hinter sich hat - dabei schon alle existierende Flüsse in Costa Rica durchquert hat und sogar einmal schon davon gespült wurde und man ihn aufgegeben hat. Trotzdem hat er noch immer treu seinen Dienst verrichtet (man hat ihn auf einer Sandbank wiedergefunden) und wir hatten einen Heidenspaß auf der Fahrt zur Lodge. Der Weg führte über einen sehr holprigen Weg (bumpy road!) , durch 3 Flüsse ca. 16 km ins Hinterland. FUN pur!
Bei unserer Ankunft wurden wir in eines der 5 neu gebauten, reizenden kleinen Holzhäuschen gebracht (daneben gibt es noch 7 ältere, die aber ebenfalls sehr gepflegt sind). Unsere Hütte war ganz aus Holz gebaut - ohne Fenster (nur drehbare Holzfensterläden), innen mit roten Fliesen auf dem Boden und schön gekacheltem Bad. Die Tür zur Veranda konnte man fast in volle Zimmerbreite öffnen, sodaß eigentlich eine Wand weg war. Die offene Bauweise vermittelte uns das Gefühl, wirklich inmitten des Dschungels zu sein. Auf Selva Bananito gibt es keinen Strom, aber dank Solarzellen hatten wir dennoch immer warmes Wasser und Duschen bei Kerzenschein hat auch seinen Reiz (als Reserve gab es noch eine Gaslaterne und eine Taschenlampe). Wir waren hellauf begeistert.
Als erstes haben wir die zwei Hängematten auf unserer Veranda in Beschlag genommen. Genau diese Ruhe und diesen Frieden haben wir gebraucht. Bald darauf erlebten wir unser erstes tropisches Gewitter. Sintflutartige Regenfälle prasselten voller Wucht nieder - diese Regenmassen waren unglaublich. Ich hatte das Gefühl das ganze Land sollte weggeschwemmt werden. Es sollten noch viele dieser Gewitter folgen - jeden Nachmittag. Und wir saßen jeden Nachmittag auf der trockenen Veranda und genossen dieses Naturschauspiel (hatte ich bereits erwähnt, daß Regenzeit ist)
In Costa Rica wird es abends schon zwischen 17-18 Uhr dunkel. Das Abendessen haben wir im Rancho, einer Art großer Gemeinschaftsraum (ebenfalls rundum offen) eingenommen. Wir wurden bereits erwartet. Überall auf den Tischen und der Balkonbrüstung waren Kerzen verteilt und tauchen alles in ein stimmungsvolles Licht. Ich war hellauf entzückt.
Da außer uns nur noch ein weiteres Paar auf der Lodge war, hatten wir die ungeteilte Aufmerksamkeit unseres Gastgebers Jürgen Stein. Wir begannen den Abend mit einem Drink an der Bar, die ebenso im Rancho untergebracht ist, wie eine kleine Bibliothek mit Literatur zu einheimischen Tieren (und Jürgen\'s Gästebuch, auf dessen Eintrag er großen Wert legt).
Da wir einen Aufenthalt für 4 Tage gebucht hatten, entschieden wir uns, den ersten Tag nur zu relaxen und mit den Aktivitäten erst am zweiten Tag zu beginnen. Den ersten Tag verbrachten wir primär in der Hängematte - jeder von uns mit einem Buch in der Hand.
Am nächsten Morgen stand das Erklimmen des Hauskletterbaumes auf dem Programm. Dabei handelt es sich um einen ca. 20 m hohen Ceiba Tree (Kapokbaum), an dem bereits 4 Kletterseile fest verankert waren. Jürgen legte uns das Klettergeschirr an und gab uns eine ausführliche Einweisung. Für uns alle (Stefan, Andrea und Laura, unser Host) war es das erste Mal, daß wir etwas mit Steigklemmen, Seilen etc. zu tun hatten. Aber wir waren voller Begeisterung dabei, zumal Jürgen großen Wert auf Sicherheit legt und wir doppelt und dreifach gesichert waren. Er ließ uns erst kurz über dem Boden einige hoch- und runter Übungen machen, bevor wir aufsteigen durften. Es machte einen Heidenspaß, war aber wesentlich anstrengender als ich erwartet hatte. Bald waren wir alle klatschnass. Immer wieder mußte ich eine kleine Pause einlegen ... doch der erste große Ast (das Ziel) nahte. Jürgen war schon oben und glaubte offensichtlich nicht daran, daß ich es auch schaffen würde (er zog wohl Rückschlüsse aus meinem hochroten Kopf - aber das ist nur die Anstrengung). Doch auch ich erreichte den hochgelegenen Ausguck. Von oben schien der Baum viel höher zu sein als von unten. Jedenfalls war es ein unglaubliches Erfolgserlebnis da oben zu sitzen und die Aussicht zu genießen. Der Abstieg war nicht weniger beschwerlich als der Aufstieg (wer es bezweifelt ... hinfahren und selber probieren!), aber danach hatten wir uns unser Frühstück redlich verdient!!!
Das war dann aber genug Aktivität für den zweiten Tag! Ich kämpfte beim Frühstück mit den Bienen, die ebenfalls am Obst und der Marmelade interessiert waren, dann lockte aber wieder die Hängematte. Am Nachmittag erkundete ich ein wenig unser Umfeld und schaute mir die Pferde an (die sind viel kleiner und mickriger als bei uns - später fand ich heraus, daß alle Pferde in Costa Rica so sind: klein und zäh - die Rasse ist eben so). Ich entdeckte den Fluß, der sich durch das Dickicht der Farm schlängelt ( da fühlt man sich fast wie in den Vietnam Filmen - mitten im Dschungel) und ich sah einen riesengroßen metallic-blauen Schmetterling. Jürgen erklärte mir, das sei ein Blue Morpho gewesen (der kann bis 20 cm Spannweite haben). Der Blue Morpho faszinierte mich - leider verschwand er viel zu schnell zwischen den mannhohen Farnen. Später traf ich noch einen der Farmarbeiter, der mit dem Hausschwein (hier wird nichts weggeschmissen - alles wird verwertet) an der Leine spazieren ging. Es gab viel zu sehen ... und das mitten in der Wildnis. Einfach toll!!!
Nachts schliefen wir von den Geräuschen des Dschungels umgeben ein. Das ist ein idealer Platz, um sehr schnell alles hinter sich zu lassen und vollkommen abzuschalten - Erholung pur! (Ein heißer Tip für alle Stressgeplagten!)
Am nächsten Morgen stand wieder Aktion auf dem Programm: Horseback Ride / Farm Tour. Leider stellte sich heraus, daß eines der Pferde, die wir reiten sollten, verletzt war. Das beste Pferd der Farm stand sowieso nicht zur Verfügung, da es vom Schwein (dem Vorgänger des jetzigen) gebissen wurde und ebenfalls verletzt war. Stefan trat freiwillig zurück, damit Laura mitreiten konnte (so konnte er sich erfolgreich drücken - er mag Pferde sowieso nicht so). Also zog ich mit Laura und unserem Guide los. Ich hatte mir Moon ausgesucht, einen etwas eigenwilligen Wallach, der aber sehr brav war, solange ihm das andere Pferd nicht zu nahe kam. Wir ritten über das Gelände der Farm und Laura erklärte mir unterwegs alle möglichen Bäume, Pflanzen und Früchte auf englisch und spanisch. Es war sehr interessant, auch wenn ich die ganzen Bezeichnungen nicht einmal auf deutsch gekannt hätte. Im Gegenzug gab ihr eine Kurzeinführung im Reiten <g>. Gegen Mittag wurde es dann schon sehr heiß und unser Guide führte uns zum Abschluß an den Fluß. Wir banden die Pferde an und stürzten uns in die braunen Fluten (hier gibt es keine Krokodile, ich habe 3x nachgefragt) ... eine herrliche Abkühlung.
Dschungelwanderung
Wir hatten lange mit Jürgen diskutiert, da ich unbedingt die Wanderung zum Wasserfall machen wollte. Leider hat mir vorher keiner gesagt, daß das eher eine Zwei-Tages-Tour ist. Jürgen meinte zwar es wäre auch an einem Tag zu schaffen, aber nur wenn man die ganze Strecke wirklich flott durchmaschiert (und das bei diesem schwülen Wetter und den Temperaturen). Pah, ich bin zur Erholung hier, nicht um einen einen Kreislaufkollaps zu kriegen! Also machten wir die \"kleine\" Wanderung durch den Regenwald (am Rande bemerkt, reichte die auch völlig aus). Die Tour führte flußaufwärts, wobei wir immer wieder den Fluß durchqueren mußten. Nach einer 1/2 Std. erreichten wir den Rand des Regenwaldes - der Fluß führte mitten durch und ermöglichte uns so ein angenehmes Durchkommen. Wir waren noch nicht weit vorgedrungen, da spürte unser Guide auch schon die ersten Giftpfeilfrösche auf. Die 2,5 cm kleinen knallroten Frösche sind sehr giftig und machen einen Höllenlärm. Unser Guide fing sie ein und zeigte sie uns. Zu diesem Zeitpunkt mußte ich feststellen, daß mein 1000 ASA Film für die Lichtverhältnisse im Regenwald nicht empfindlich genug ist. Den Blitz hatte ich natürlich in der Hütte gelassen (ich dachte nicht, daß ich ihn brauche). Extrem helle Sonne produziert auch sehr dunkle Schatten. SCHADE
Aber ich wollte mir die Tour dennoch nicht versauen lassen und sog alle Eindrücke in mich auf. Wir gingen noch ein wenig den Flußlauf entlang, dann bog unser Guide einen kleinen Pfad direkt in den Wald ein. Wir stiegen bergan. An besonders steilen oder matschigen Stellen war der Pfad mit Holzscheiben befestigt, um ein Zertrampeln des Untergrundes zu vermeiden. Der Regenwald ist unglaublich schön, ich habe mich ein bißchen wie Indiana Jones gefühlt. Der Boden ist sehr feucht und da die Sonne kaum durch die Baumkronen dringt, trocknet er wohl auch nie richtig. Wir hatten dann noch richtig Glück, denn wir sahen auch noch insgesamt vier (!) grün-schwarze Giftpfeilfrösche, die sehr selten sind. Diesmal gelang es uns einen auf ein sonniges Blatt zu treiben (für Fotozwecke).
Der Abschied fiel uns schwer ... die vier Tage kamen uns viel länger vor. Wir sind ganz reizend umsorgt worden, haben uns hier ausgesprochen wohl gefühlt, sehr gut erholt und können dieses Fleckchen Paradies nur wärmstens empfehlen!
Wir fuhren mit dem Bus zurück nach San Jose, übernachteten wieder im Posada Canal Grande und holten am nächsten Tag unseren Jeep ab, um Richtung Pazifikküste zu fahren.




