Ankunft Flughafen Miami ca.19.00 Uhr.
Alle Passagiere wurden natürlich überprüft und durchsucht, ich natürlich auch, Schuhe aus und durchleuchten(wegen eines Motorradunfalles, am linken Schuh eine Erhöhung von 5cm, 3cm am Hacken, ca. 2cm Einlegesole) diesen Schuh hat mein Freund ein orthopädische Schuhmachermeister aus unserem Nachbarort Angefertigt.
Nach dem dritten Mal Durchleuchten meiner Schuhe ( die selben Schuhe hatte ich auch auf dem Hinflug nach CR an) wurden meine Frau und ich schon etwas sauer. Nach nochmaligen Durchleuchten meiner Schuhe, dieses Mal im Beisein des Sicherheitschefs vom Flughafen und einiger Sicherheitsbeamter wurde aus meinem linken Schuh die Einlegesole entfernt ,in ihr sauber eingearbeitet befand sich ein Schlüsselanhänger( Flaschenöffner, Korkenzieher , Korkenmesser).
Normale Reaktion meiner Frau, „ wie kommt das Ding da rein“
Ich „ habe keine Ahnung“!!!
Nach kurzer Beratung der Sicherheitsbeamten, die sicherlich dachten ,“der will doch mit dem Schlüsselanhänger das Flugzeug in seine Gewalt bringen“, wurden mir Handschellen angelegt. Ich durfte mich noch von meiner Frau verabschieden, danach wurde ich abgeführt, auf die Rücksitzbank eines vergitterten Streifenwagens verfrachtet und aufs nächste Polizeirevier gebracht. Ich wurde an eine Bank gekettet.
Ein sehr dicker, ständig schwitzender weißer Polizeibeamter saß mir gegenüber und erstellte einen Bericht .
Er konnte kein deutsch und ich kein englisch und ein Dolmetscher war auch nicht in der Nähe. Der Schlüsselanhänger wurde vermessen, besonderer Aufmerksamkeit wurde der „Klinge“ geschenkt, ca. 15mm lang!!! Egal dachten die sicherlich, nach einer Beratung „Waffe ist Waffe“.
Ich sah mich um , sah zwei kleine saubere Zellen, hatte mich schon damit abgefunden die Nacht hier zu bleiben und am nächsten Morgen nach Hause zu fliegen.
Nach ca. 1,5Stunden mußte ich mal aufs Klo. Von dem Dicken wurde mir zugesichert, daß ich demnächst dazu die Möglichkeit hätte. So war es dann auch fast. Mir wurden dann wieder mit Handschellen die Hände auf den Rücken gebunden, ab in den Streifenwagen und ca. eine halbe Stunde Fahrt durch Miami.
Gegen 21.00Uhr hielt der Streifenwagen vor einem großen grauen Eisentor, dieses öffnete sich und noch weitere zwei Tore.
Mir wurde langsam klar , der Flug morgen fällt aus, du landest hier im Knast.
Ich wurde durch einige Gänge geführt, meine persönlichen Dinge wie Uhr, Brieftasche wurden mir abgenommen, danach mußte ich mich entkleiden . Hätte ja in irgend einer Ritze noch was stecken können.
Anschließend hatte ich etwas Zeit mich umzusehen.
Auf der einen Seite eines langen Ganges, eine Reihe schweinestallartiger Gitterzellen mit einem Edelstahl-WC in der Ecke. Ich nutzte die Gelegenheit um auf eines der Klos zu gehen.
Die hinteren Zellen waren belegt. Hinter den Gitterstäben sahen mich viele weiße Augen aus schwarzen Gesichtern an.
Ich dachte „wie kann man so viele Menschen in so einen kleinen Raum einsperren , wenn doch noch so viele Zellen lehr sind“. Das geht tatsächlich , kurze Zeit später saß ich mitten drin . Auf etwa 20Quadratmeter bis zu 30 Gefangene , Schwarze, Latinos und ich als einziger Weißer.
Nach einer kurzen Zeit, gewöhnten die sich an mich, ich war halt auch nur ein „Verbrecher“.
Ich bekam sogar einen Sitzplatz auf einer der Zwei Sitzstufen aus Beton ,neben einem kräftigen schwarzen Häftling.
Später bot er mir Toilettenpapier an, nach dem er das verdreckte Edelstahlklo benutzt hatte.
Ich hoffte nicht aufs Klo zu müssen , da einige mit ihren Köpfen daran lehnten und schliefen. Leider klappte es nicht.
Ich mußte irgend wann am Freitagmorgen. Die da neben dem Klo lagen, bekamen zwangsweise Urinspritzer ab(was merkwürdiger weise keinen störte), darauf setzen konnte ich mich beim besten Willen nicht. Mir ging immer ein Spruch im Kopfe um „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ob der Spruch wohl stimmt?
Am Freitagvormittag wurden mir die Fingerabdrücke abgenommen, ich wurde Fotografiert und während dieser Prozedur hatte ich die Möglichkeit nutzen können das Deutsche Konsulat anzurufen.
Ich schilderte dem Konsul meine Situation, nannte ihm den Namen des Gefängnisses, er meinte nur es könne nicht sein, daß ich in diesem Gefängnis bin ,ich versicherte ihm ,daß es doch so ist.
Ich bat ihn, mich so schnell wie möglich dort raus zu hohlen . Er meinte ,wenn er heute nichts mehr erreichen sollte, denn es war ja schon Freitag(Wochenende), würde er sich Anfang nächster Woche mit mir in Verbindung setzen.
Ich sagte ihm ,daß ich unter diesen jetzigen Bedingungen Anfang nächster Woche nicht mehr am Leben bin , plötzlich nahm mir eine schwarze Aufseherin den Hörer weg, das Gespräch war beendet.
Zirka 2 Stunden später fand“ eine ärztliche Untersuchung“ statt. Die verstanden mich nicht , ich die nicht.
Sie versuchten einen Dolmetscher zu besorgen, nachdem sie mein vernarbtes Bein begutachtet hatten, was ihnen scheinbar Sorgen bereitete. Sie erreichten auch jemanden, sie gaben mir den Hörer, es war die Stimme des Konsuls, dem ich erzählte er möchte bitte sagen ,daß ich Medikamente und Salbe brauche, er wiederum informierte mich darüber ,daß er einen Anwalt erreicht hat und dieser mich in den nächsten Tagen dort raus holt.
Gegen Mittag wurden plötzlich alle Insassen aus den „Schweineställen“, im Gefängnis aufgeteilt.
Ich kam in eine große Zelle mit 50 Betten und ca. 65Häftlingen. Ich war immer noch der einzige Weiße.
Alle „Neuen“ mußten sich entkleiden, jeder bekam einen feuchten Lappen(Handtuch) und ein Stück Seife, die so groß war wie eine halbe Streichholzschachtel. Die Duschen waren am Ende dieser Zelle, rechts und links standen Doppelstockbetten.
Mir gingen in diesen Moment die merkwürdigsten Gedanken durch den Kopf, zB.: Dir darf auf keinen Fall die Seife runter- fallen! Mir viel die Seife runter, aber man kann sich auch ohne Seife duschen!
Ich hatte sogar das Glück in dieser Zelle einen Bettplatz zu bekommen, etwa 15 Andere mußten unter den Betten,auf dem Betonfußboden schlafen. Ich hatte sogar das Gefühl, daß mein schwarzer Bettnachbar auf mich irgendwie aufpaßte, denn die Latinos in dieser Zelle, konnten mich irgend wie nicht leiden.
Irgendwann mußten sich alle vor die Betten stellen, sich ausziehen, es kam jemand durch, der halt schaute , ob wer Geschlechtskrank oder Ungeziefer hat.
Nachmittag fand für alle „Neuen“ eine Art Gerichtsverhandlung statt , wo die Höhe der Kaution festgelegt wurde.
In meinem Fall waren es 3.300,-$.
Wieder zurück in der Zelle, fragte mich ein anderer Häftling, ob sein Anwalt mich für 160,-Dollar raus holen soll.
Na klar meinte ich, zeigte ihm aber vorher noch das Blatt, was mir der dicke Polizist gab, bei der „Einlieferung“.
Er las, schüttelte mit dem Kopf und fragte mich ob ich ein Terrorist sei. In dem „Fall“ klappt das nicht mit dem „raus holen“ und er ging zum nächsten „Neuen“.
Samstag früh gegen 03.00Uhr stieß mich mein Bettnachbar an, meinte zu mir, ich werde entlassen. Ich dachte der spinnt! Wer soll mich mitten in der Nacht hier raus hohlen?
Er begleitete mich bis zur Gittertür, gab mir seine große schwarze Hand und wünschte mir eine gute Heimreise.
Ca. eine Stunde später nahm mich eine dunkelhäutige Frau in Empfang, fuhr mit mir in die Anwaltskazlei, wo auf mich , es war etwa 04.00 Uhr morgens „mein“ Anwalt wartete. Er besorgte mir ein bezahlbares Hotelzimmer an der Strand-Prommi-Meile. Am Sonntag Vormittag trafen wir uns in der Anwaltskanzlei(Konsul ,Anwalt und ich).
Ich beglich die Kautionskosten( MasterCard sollte man immer bei sich haben), der Konsul besorgte mir für den Abend, einen Flug nach Amsterdam, ich verabredete mich mit ihm gegen 09.00Uhr abends am Flugplatz, ich konnte mir nicht vorstellen , daß ich so einfach nach Hause fliegen könnte. Eigentlich war ich ja nur Transitreisender andererseits hatte ich ja wiederum einen vorübergehenden „ festen Wohnsitz“ in Miami und außerdem war ich doch jetzt ein Verbrecher.
Mein Flugticket , was meine Frau am Donnerstag Abend , zusammen mit meinem Gepäck , am Schalter von „Martin Air“ abgeben mußte, war plötzlich nicht mehr da! Ich durfte den Flug nochmals bezahlen obwohl im Computer nachzulesen war, daß ich den Flug schon bezahlt hatte. Bei all diesen Dingen half mir der Konsul, ohne ihn wäre ich wahrscheinlich heute noch in Miami.
Am Sonntag gegen 23.00 Uhr landete ich, nach Zwischenlandung in Amsterdam (ohne besondere Vorkommnisse) in Berlin. Ich war der glücklichste Mensch auf dieser Welt.
An diesem verlängerten Wochenende habe ich eine ganze Menge gelernt, ich kann jetzt mit Worten wie: Freiheit , Angst, Verzweiflung, Menschenverachtung, Wut, Heimweh, Liebe,... wesentlich mehr anfangen.
Mein Freund der Orthopädische Schuhmachermeister, der eigentlich nur wollte, daß ich mich über den kleinen „Gag“ , den er mir in die Einlegesole gebastelt hat freue, wenn ich dann halt meine Schuhe zum trocknen auseinander nehme , ist natürlich beinahe vom Hocker gefallen, als ich ihm erzählte , was mir wegen dem „kleinen“ Spaß widerfahren ist und er jetzt ein „Paar“ Tausend €uro los wird.
Im Sommer 2004 fand in meiner Abwesenheit die Gerichtsverhandlung in Miami statt, ich wurde schuldig gesprochen und mußte noch 500,-$ ans Gericht überweisen obwohl ich eine eidesstattliche Erklärung vom Schuster dem Gericht zukommen ließ, daß ER mir die Einlegesole präpariert hat, ohne MEIN Wissen. Mein Anwalt legte Widerspruch ein, er gewann diesen Prozeß im Dezember 2004. Er schrieb mir, daß auf Grund dieser Sache ,sich einige Gesetze in den USA ändern werden, z.B.: Was ist eine Waffe?!
Trotz all dem waren wir auch 2005 wieder in Costa Rica!!!
Aber dieses Mal nicht über die USA.
Gruß Franky und Simone



