Hier ein Reisebericht von unserer Reise nach Costa Rica vom 25.11.2002 bis 10.12.2002.
Für mich war es die erste Reise in dieses wundervolle Land; meine Freundin hat dort fast 7 Jahre lang gelebt.
\"And I see you and I see me
I see it all like it used to be
I\'m going to write it in a diary
Now I remember everything\"
25.11.2002 Flug nach Washington
Die Reise beginnt in einem Dorf am Rhein, im Düsseldorf. Um 12.00 Uhr geht unser Flieger, der uns auf der ersten Etappe der Reise in die USA nach Washington D.C. bringt. Dort wollen wir noch einen Freund treffen. Beim Start herrscht das gewohnt trübe, deutsche Wetter. Doch über England lichtet sich komischerweise ausnahmsweise der Himmel und wir haben bis zur kanadisch-amerikanischen Grenze einen wunderbar wolkenlosen Himmel - ein wunderbarer Flug. \"Take a jumbo cross the water, like to see America\" - und immer Supertramp im Ohr !!!
Man mag im Moment von den USA halten, was man will, doch ich habe noch nie so freundliche Zollbeamte gesehen wie am Dulles Internatinal Airport in Washington. An den unseren Pässen sah der Zöllner, dass Claudia und ich nicht verheiratet sind: \"Dann übt mal schön das Zusammenleben im Urlaub - Have a nice time\". Stell Dir das mal bei einem deutschen Zöllner vor. Richtig, Du vermutest auch sofort, dass er unter massivem Alkoholeinfluss seinen Dienst ausüben würde ...
Sofort nach der Ankunft in unserm sehr kommoden Hotel in Washington machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Natürlich zuerst zur 1600, Pennsylvania Avenue. Dort lebt Herr Bush, wenn er mal nicht auf seinem Bauernhof in Texas ist. Allerdings sieht diese Behausung unspektakulärer als im Fernsehen aus, nicht sonderlich groß. Das Haus von Herrn Schröder im Westteil Berlins kommt meiner Meinung protziger daher. Dafür hat er in Hannover keine Ranch ...
Im allgemeinen empfand ich Washington als sehr \"unamerikanisch\", was die Größenverhältnisse anbelangt. Es gibt halt nicht die typischen \"New York Wolkenkratzer\" und keine Gebäude darf höher sein als das Lincoln Memorial Monument.
Abends haben wir dann unseren Freund getroffen und wir haben in einem sehr schönen Restaurant am Potomac River gegessen und anschließend noch eine private Führung durch den malerischen Ortsteil Georgetown erhalten.
Der erste Tag der in der neuen Welt.
26.11.2002 Weiterreise nach San José
Heute flogen wir weiter nach Costa Rica. Um 14.15 sollte der Flieger von Washington über Chicago und México-Ctiy nach San José starten. Doch wie in jedem amerikanischen B-Movie war in Chicago mal wieder Schnee und Sturm und der Flug wurde um 3 Stunden verschoben. Die United Airlines erwiesen sich als äußerst flexibel und ein freundlicher Mitarbeiter buchte und einen Flug nach México-City, wo wir unsere Anschlussmaschine nach San José dann relativ pünktlich erreichten. Alleine schon der Anflug auf Mexico-City am Abend war ein einmaliges Erlebnis; der Flieger flog beim Landeanflug eine fast 30-minütige \"Vuelta\" (\"Kurve\") über eine der größten Städte der Welt. Nach einem 1-stündigen Aufenthalt in México ging es dann weiter nach San José. Kurz vor 01.00 Uhr nachts sagte der Pilot, dass wie in ca. 30 Minuten in Alajuela landen werden. Einige Leute im Flugzeug schauten sich schon ganz entgeistert an und wähnten sich bereits in einer Ausnahmesituation, die eine Notlandung erfordert. San José war doch das Ziel ... Oder war`s doch Hikjacking ?!?
Der Pilot war ein Zeitgenosse mit einer gehörigen Portion Humor zur rechten Zeit: Der Aeropuerto Juán Santamaría, der Flughafen von San José liegt nämlich in der Provinz Alajuela und nicht in San José. Genau wie \"Basel Badischer Bahnhof\" - der liegt nämlich auch in Deutschland. Spaß im Glas ... Also lasst Euch beim Landeanflug nach Costa Rica nicht bluffen, Ihr kennt jetzt den Unterschied.
Silvia, eine ehemalige Klassenkameradin von Claudia, holte uns am Aeropuerto ab und wir sind todmüde ins Bett gefallen. Bei Claudias Freundin und ihrer Familie in Santa Ana bei San José wollten wir die nächsten 2 Wochen wohnen. Such is life in the tropics ...
27.11.2002 Der erste Tag in Costa Rica
Um 10.00 Uhr habe ich mich endlich von meinem Bett trennen können, Claudia war bereits eher auf. Als ich in die Küche kam, erntete ich erst mal den Spott als Langschläfer. \"Wie sind die denn hier drauf, schließlich habe ich Urlaub\", dachte ich. Doch es war wirklich das letzte Mal für die nächsten 2 Wochen, dass ich so spät aufgestanden bin. Um hier etwas zu erleben, muss man einfach mit der Sonne leben. Das bedeutet, dass gegen 06.15 Uhr die Sonne aufgeht und um 18.30 alles stockdunkel ist. Nun denn ....
Den ersten wirklichen Kontakt mit dem Land gab es dann am Nachmittag, wo wir mit den Kindern zur Schule gefahren sind. Ins Collegio Humboldt, einer deutschen Schule in San José, die bereits Claudia und ihre Freundin Silvia zusammen besucht haben. Dort gab es eine Weihnachtsfeier und einen großen Weihnachtsmarkt. Mal erfrischend anders; nicht in Hut und Mantel, sondern in Shorts und T-Shirt. Auch hat komischerweise niemand gesagt, dass er den schönsten Weihnachtsbaum oder die schönsten Geschenke für die Kinder hat ... Es geht auch ohne.
28.11.2002 Santa Ana
Es ist uns heute tatsächlich gelungen, etwas früher aufzustehen. Claudia und Silvia telefonierten den ganzen morgen nach einem preiswerten Mietwagen. Tatsächlich ist es ihnen gelungen, ein Gefährt aufzutun. Am Freitag sollten wir ihn holen können.
Den Rest des Tages haben wir zu Hause in der Sonne genossen und später am Nachmittag haben wir uns unseren \"Wohnort\" - Santa Ana etwas näher angesehen. Wir mussten ca. 1 km von unserer Wohnsiedlung \"Alto Palomas\" eine Bergstrasse hinab in den Ort gehen. Wir haben den Ort sofort gemocht, war er doch ein wenig das typische Bild eines mittelamerikanischen Ortes aus dem Reiseführer. Kleine Wohnhäuser, wo die Frauen ihre Wäsche aufgehangen haben, ein paar Geschäfte und jede Menge Bars, in denen die Männer wichtige Dinge des aktuellen Zeitgeschehen erörterten. Vor der Kirche tranken wir dann unseren ersten \"Café chorreado\". In Costa Rica wird das Kaffeepulver in einen Strumpf gefüllt und darüber wird heisses Wasser gegossen. Dieses fließt dann als Kaffee in ein Gefäß, welches sich unter diesem Strumpf befindet. OK, nicht jedermanns Sache, vor allem für einen passionierten Lavazza-Stalinisten wie mich.
Vor der Kirche in Santa Ana liegen mehrere rund Steine. Diese werden von den Einheimischen \"indian balls\" genannt und sind wirklich kugelrund, ohne die kleinste Abweichung vom Durchmesser. Die Kugeln wurden vermutlich von den Bruncas, einem präkolumbianischen Volk, hergestellt und symbolisieren möglicherweise die Anordnung der Gestirne. Lange Zeit ging die Sage um, dass in diesen Kugeln präkolumbianisches Gold versteckt sein soll. Aus diesem Grunde wurden viele dieser Kugeln zerstört.
29.11.2002 Volcán Poás
Heute konnten wir nun unseren Mietwagen abholen. Paul brachte uns in die Stadt zur Leihwagenfirma. Die Fahrt dorthin ist durchaus mit dem freitäglichen Verkehr auf dem Kölner Ring zu vergleichen, was sowohl das Verkehrsaufkommen als auch die Qualität der Strassen anbelangt. OK, ... auf`m Ring isses etwas moderner.
Kaum hatten wir den Wagen, einen kleine Jeep \"in Händen\", planten wir auch schon unseren ersten Trip. Wir wollten zum nahegelegenen Volcan Poás. Dieser ist 37 km nördlich von Alajuela gelegene Vulkan ist mit 1,5 km Durchmesser und 300 m Tiefe der größte Vulkankrater Costa Ricas. Seit dem letzten Ausbruch im Jahr 1978 steigt immer noch schwefeliger Rauch aus dem Krater. Leider meinte der Wettergott es gar nicht gut mit uns. Je weiter wir von Alajuela Richtung Poas fuhren, desto dunstiger wurde es. Der Versuch, den Krater zu erreichen wurde von kräftigem Regen begleitet. Der Krater selbst war total wolkenverhangen. Such is life in the tropics ...
Wenigstens hat uns die Fahrt nach Hause Richtung Alajuela wieder entschädigt. Denn selbstverständlich wurde das Wetter ein paar Kilometer unterhalb vom Poás wieder bedeutend besser und wir hatten eine wunderschöne Aussicht auf das Valle Central um Alajuela, Heredia und San José.
30.11.2002 Volcan Arenal
An diesem Samstag wollten wir zum Volcan Arenál, um uns dort mit Fili und Gernot zu treffen, zwei Freunden aus Deutschland, die zur gleichen Zeit in Costa Rica waren, wie wir. Es wurde an diesem Tag etwas später, weil wir am Freitag etwas länger mit ein paar Freunden gefeiert hatten und ich unbedingt Pauls Vorräte an bayrischem Weizenbier probieren musste. Telefonisch buchten wir ein Hotel am Tabacón Resort. Es sollte 170 $ fürs Wochenende für 4 Personen kosten. Aber gut, von dort aus hat man immerhin einen traumhaften Blick auf einen der aktivsten Vulkane dieser Erde.
Gegen 11.00 Uhr ging die Fahrt dann los, über Alajuela, Zarcero und San Carlos nach La Fortuna, wo wir uns mit Fili und Gernot um 15.00 Uhr vor der Kirche treffen wollten.
Entgegen der landesüblichen Sitte (läster) waren wir sogar pünktlich, und die anderen beiden auch. Von La Fortuna aus soll man laut Reiseführer bei schönem Wetter eine astreine Sicht auf den Arenál haben und diesen sogar beim Feuerspucken beobachten können. Hatte ich erwähnt, dass es bei unserer Ankunft in La Fortuna dunstig und wolkig war ? Also ließen wir unsere Buchung im Tabacon Resort sausen und mieteten uns statt dessen in einer noblen 10$-Herberge ein. Gut, das war nicht Tabacón, aber wir hatten ein Bett und ein Dach über dem Kopf.
Doch auch die feuchte, tropische Luft machte uns durstig. So gingen wir in den nächsten Supermarkt und wollten ein paar Dosen Bier kaufen. Bei dem Versuch wären wir fast im Knast gelandet - an diesem Samstag und dem folgenden Sonntag herrschte in ganz Costa Rica strengste Prohibition, da am Sonntag Kommunalwahl war. Ticos und Touris mussten also clean bleiben. Man stelle sich das mal hierzulande vor, dass alle bei der Wahl nüchtern sein müssten. Vielleicht wäre Stoiber dann an der 5%-Klausel gescheitert, aber lassen wir die deutsche Politik mal einen Moment aus den Augen.
Trotz Wahl ging der Durst nicht vorüber, und unser Hotelier vergas für ein paar Dollar sogar mal die Wahl und öffnete uns seinen Kühlschrank und für noch ein paar Dollars wechselten einige Büchsen \"Imperiál\" die Besitzer. Übrigens eine deutsche Brauerei, deren Besitzer nach 1945 aus Deutschland \"rübergemacht\" sind. Irgendwie sind aus den 1000 Jahren doch nur 12 geworden und für manche war es Süd - und Mittelamerika damals bedeutend kühler als in Deutschland. Auch das wollen wir nicht vertiefen. Auf jeden Fall mussten wir dem Besitzer im La Choza Inn in La Fortuna versprechen, dass wir ihn wegen des Bierausschankes nicht verraten, was wir hiermit auch ausdrücklich befolgen ...
01.12.2002 Cataratas La Fortuna
Tatsächlich haben wir es geschafft, um 07.30 Uhr in einer Bar zu sein, in der man frühstücken konnte. Natürlich gab`s \"Gallo Pinto\", das costaricanische Nationalfrühstück aus Reis und Bohnen. Anschließend wollten wir die \"Cataratas de La Fortuna\" besuchen, die Wasserfälle im Regenwald. Dazu steuerten wir unseren Jeep ca. 8 km entfernt in den Regenwald. Brav löhnten wir unseren Eintritt in den Nationalpark \"Parque Nacional Volcan Arenál\" und nach 20 Minuten erreichten wir auf einem schmalen Trampelpfad die Wasserfälle. Menschenleer. Wir waren tatsächlich die ersten und konnten in dem kleinen See zu Füssen der Wasserfälle sogar ein Bad nehmen. Und als Hintergrundmusik das ewige Rauschen der Wasserfälle. So muss das Paradies ausgesehen haben. Bis dann einige Touristen aus unserem putzigen kleinen Nachbarland mit der Sprache, die sich anhört wie ein Kiefernleiden, auftauchten. Alles hat eine Ende ...
Anschließend setzten wir unsere Fahrt fort in Richtung Pazifikküste. Wir wollten an diesem Tag noch Playa Grande erreichen, ca.50 km westlich von Liberia gelegen, der Hauptstadt der Provinz Guanacaste. Da uns unterwegs mal wieder der Hunger überfiel, hielten wir in Las Cañas an der weltberühmten Panamericana um etwas zu Essen. \"Casado\" natürlich. \"Casado\" ist das populärste Menu in Costa Rica. Das Wort heißt wörtlich übersetzt verheiratet und beschreibt das, was ein Tico den Rest seines Lebens erwartet, wenn er eine Tica heiratet: Reis und gebratene schwarze Bohnen mit Zwiebeln, oft mit Rührei oder Sauerrahm. Dazu gibt`s Kochbananen, gebratenes Fleisch oder gekochten Fisch. Ein Gedicht ...
Anschließend ging es dann weiter über die Panamericana nach Liberia, und ab da einer staubigen Strasse der Sonne entgegen nach Playa Grande.
\"On a dark desert Highway ...\", wie ihn die Eagles in Hotel California beschrieben.
Nach ca. 2 1/2 stündiger Fahrt von Las Cañas aus erreichten wir mit den letzten Sonnenstrahlen Playa Grande. Dort hatten wir ein kleines Hotel gebucht, das viel versprach: \"Super Pura Vida\". Als wenn man Pura Vida noch toppen könnte ...
Anyway, wie auch in La Fortuna, nicht der pure Luxus, aber ein Dach über dem Kopf und ganz liebe Leute, bei denen man wenigstens nicht das Gefühl hat, als Gringo über den Tisch gezogen zu werden. Allerdings hatten wir auch nicht sehr viel Zeit gehabt, alles genau unter die Lupe zu nehmen, da wir um 19.00 Uhr an einem Treffpunkt sein mussten, von dem aus eine Führung stattfinden sollte, bei der man riesige Lederschildkröten (Baulas) beobachten kann, wenn sie mit der Flut an den Strand kommen und dort ihre Eier ablegen. In Playa Grande existiert das \"Manuel Las Baulas\"- Reservat, einer Stelle, an der die Schildkröten nachts aus dem Wasser kriechen. Eigens dafür wird ab 18.00 Uhr der Strand für den Publikumsverkehr gesperrt.
Wir hielten unsere deutsche Tugend aufrecht und waren pünktlich. Lediglich den Schildkröten fehlte die letzte Motivation, an Land zu kommen. Wir wollten uns dieses einmalige Erlebnis jedoch nicht entgehen lassen und warteten bis 03.00 Uhr morgens. Vergebens. Doch im nahegelegenen Schildkrötenmuseum war man auf Touristen eingerichtet. Dort gab es einen Pavillon, an dem Snacks und Getränke verkauft worden und es gab einen Fernseher dort. Dort haben wir immerhin einen Bericht über transsilvanische Bären gesehen, wenigstens ca. 150 mal hintereinander.
02.12.2002 Playa Grande
An diesem Morgen waren wir relativ \"Spät\" wach, so gegen 08.30 Uhr. Ich ging vor unseren Hotelbungalow und schaute mir die Gegend an, die aus ein paar Häusern und einer staubigen Strasse bestand. Auf einmal begegnete ich eine bildhübschen Tica , die mich fragte, ob ich Hotelgast sei. Ja, war ich und ich fragte, wo es Frühstück gibt. Sie verschwand in einer Art Garage und wenig später öffnete Sich ein Rolltor, hinter dem sich eine Art Bar befand. An dieser Bar gab es eines der besten Desayunos, dass wir während unserer Reise hatten. Gallo Pinto natürlich, und jede Menge frische Ananas, Papaya, etc. Und richtigen Kaffee (aber immer noch keinen Lavazza ...).Wir konnten soviel essen und trinken wie wir wollten.
An diesem Tag war das Abenteuer \"Taveller-Schecks\" eintauschen angesagt. Von der schönen Tica erfuhren wir, dass die nächste Bank in Playa Tamarindo ist. Zu Fuß ca. 5 Km am Stand entlang, mit dem Auto ca. 18 km und eine 3/4 Stunde entfernt. Wir entschieden uns für den \"kurzen\" Weg über die Playa. Es war der schönste Strand, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Schlicht und ergreifend. Nach einer Stunde erreichten wir Tamarindo. Die Bank zu finden war nicht schwer. Allerdings wussten wir im Moment nicht, ob das hier eine Bank ist oder ein Allgemeinmediziner am Montag morgen. Von dem schwer armierten Türsteher bekamen wir eine Nummer in die Hand gedrückt. 91. Im Moment war der Zähler bei 13 und der Laden war gerammelt voll. Der Steher meinte, wir sollten in 2 Stunden mal vorbeischauen. OK, in 3 also. Aber Anyway, wann hat man mal die Gelegenheit, am nahen Pazifikstrand auf seine Kohle zu warten. Wohl eher selten, also nutzen wir diesen Umstand. Auf dem Weg zur Playa gab`s noch ein Internetcafé und ich konnte es mir nicht nehmen lassen, meinen Kollegen zu mailen, in welch misslicher Situation ich mich zurzeit befinde. War ich doch im Dezember genötigt, mich wenigstens 3 Stunden an den 30 Grad heissen Strand zu legen.
Nahe der Playa war dann einen wunderschöne Bar, an der es noch schönere Hängematten gab, in der man noch bessere Cocktails schlürfen konnte. So lässt sich die Warterei gerade noch ertragen.
Um 15.30 Uhr hatten wir dann endlich unsere Kohle, nachdem man noch eingehenst geprüft hatte, dass unsere Schecks auch echt sind. OK, nach ein paar Tagen Costa Rica on the road sieht man nicht aus, als wenn man von der Wall Street kommt.
Also traten wir zufrieden unseren Rückweg nach Playa Grande an. Heute Abend hatten wir noch einmal den Scout gebucht, der uns zu den eierlegenden Schildkröten führen sollte.
Wir nahmen den gleichen Weg zurück, den wir gekommen waren, am Strand entlang. Dafür wurden wir am 16.30 Uhr mit einem königlichen Sonnenuntergang verwöhnt. Ich habe fast den ganzen 64MB-Chip meiner Digi-Cam vollgeschossen. Genial.
Wieder in Playa Grande angekommen, versackten wir erst mal in \"Kike`s Bar\", dem einzigen Restaurant im Ort, das augenscheinlich keine Klimaanlage hatte. Es war, wie viele Restaurants in Costa Rica, rundherum offen. Den Bacardi-Cola hatten wir uns verdient. Der Aufforderung von Fili, uns die Rechnung zu bringen, erwiderte die freundlich lächelnde Tica hinter der Theke prompt mit einem weiteren Whiskey-Cola. Das nenne ich geschäftstüchtig. Aggressiv verkaufen ...
Anyway, wir haben uns kaputtgelacht und noch `ne Runde bestellt. Freilich nicht ohne uns den besten \"Arroz con pollo\" (Reis mit Hühnchen) \"empfehlen\" zu lassen, den es an der ganzen Pazifikküste gab. Und er war wirklich klasse !
Anschließend versammelten wir uns wieder vor dem Pavillon des Schildkrötenmuseums und warteten auf die Schildkröten. Hatte ich erwähnt, dass es dort Fernsehen gab und die da einen Bericht über transsilvanische Bären gezeigt haben ?!?
03.12.2002 Treffen mit den Schildkröten
Das Warten auf die Schildkröten hat sich gelohnt. Gegen 00.30 Uhr pfiff uns der Scout zusammen und wir gingen im Gänsemarsch hinter ihm her, ca. 2 km am dunklen Strand von Playa Grande. Ein einmaliges Bild. Ein Sternenhimmel, wie er klarer nicht sein kann und am Strand überall leuchtendes Plankton; Himmel und Erde schienen eins zu sein.
Nach ca. 15 Minuten Marsch erreichten wir die Schildkröte. Wir versammelten uns alle hinter der Schildkröte und konnten im Rotlicht einer Taschenlampe still beobachten, wie die Schildkröte mit den Hinterflossen ein ca. 50cm tiefes Loch in den Strand grub und darin ihre Eier ablegte. Ein wenig \"Pfusch\" war aber doch dabei: Die Männer des \"Manuel Las Baulas\"-Reservates nehmen sich dieser Tiere an und legen eine Plastikbeutel in die Grube und nehmen die Eier anschließend mit in eine Aufzuchtstation um die Eier vor natürliche Feinden (Raubvögel) und gierigen Feinden (Menschen) zu schützen. Diese Tiere bei der Eiablage zu beobachten war ein einmaliges Erlebnis und wir waren gerne bereit, für diese \"Vorführung\" 13$ pro Person auf den Tisch zu legen, da sich die Männer und Frauen dieses Reservates wirklich für die Tiere aufopfern und ehrenamtlich arbeiten. Mein tiefer Respekt.
Am folgenden Morgen sind wir dann ein weiteres Mal an die Playa gegangen um noch etwas Sonne zu tanken, wieder nach einem vorzüglichen Frühstück der schönen Tica. Unseren Lunch nahmen wir selbstverständlich wieder in \"Kike`s Bar\". Casado natürlich, was sonst ? Casado con pescado ..
Anschließend machten wir uns auf den Rückweg nach San José, da Claudia für den folgenden Tag ein Treffen mit ihren ehemaligen Klassenkameraden organisiert hat.
Fili und Gernot setzten wir in Bagaces an der Panamericana ab, da sie weiter nach Monteverde wollten.
Auf dem weiteren Heimweg über die Panamericana konnten wir dann genauestens die einheimischen LKW studieren (was mir Spaß gemacht hat und Claudia die Ungeduld ins Gesicht schrieb ...). Wir mussten an Puntarenas vorbei, dem einzigen Pazifikhafen des Landes. Das da ein etwas gesteigertes Verkehrsaufkommen ist, dürfte einleuchten. Die lokale Infrastruktur macht es freilich zu einem unwiederbringlichen Erlebnis, auch wenn ein Freightliner mit Tempo 30 km/h bergauf vielleicht ein Quäntchen zuviel Qualm hinten raushaut ...
Am Abend gegen 21.15 Uhr waren wir wieder bei unseren Gastgebern in Santa Ana und ich verarztete erst mal meine Blase, die ich mit in La Fortuna und in Playa Grande gelaufen hatte. Vielleicht sollte man neue Schuhe erst mal \"einlaufen\", bevor man damit in Urlaub fährt.
Ein ereignisreiches Wochenende war zu Ende ...
04.12.2002 San José
An diesem Tag wollten wir uns die Hauptstadt San José ein wenig anschauen. Mit dem Auto in die Hauptstadt zu fahren, scheint ein hoffnungsloses Unterfangen. Besser ist man mit dem Bus bedient. Der kostet, ungeachtet des Zieles, 150 Colones, was in etwa einem Gegenwert von 48 Cent entsprach. Ein wahrlich preiswertes Vergnügen.
Unser Ziel war in der Innenstadt das Teátro Nacionál, welches direkt neben der Plaza de la Cultura im neoklassizistischen Stil errichtet wurde. Das Nationaltheater ist der Pariser Oper nachempfunden und gilt als eines der schönsten Gebäude der Hauptstadt und als eines der schönsten Theater Mittel – und Südamerikas.
Als 1890 die damals berühmte Opernsängerin Adelina Patti auf eine Zentralamerika-Tournee ging, war in Costa Rica für sie kein geeigneter Auftrittstort zu finden. Das erzürnte die reichen Kaffeebarone im Land derart, dass sie kurzerhand eine Kaffeesteuer erhoben und damit den Bau des Teátro Nacionál finanzierten. Die Metallstruktur des Theaters kam aus Belgien, Maler und Dekorateure wurden aus Italien geholt, ebenso wie der Marmor, der beim Bau verwendet wurde. 1897 wurde das Teátro Nacionál mit einer Aufführung von Sängern der Pariser Oper eingeweiht. 1965 wurde dieses Theater von der Regierung zum Nationalmonument erklärt. Die wertvollen Deckengemälde, das Innendekor im Barockstil, sowie die exzellente Akustik des Theaters schaffen das richtige Ambiente für Aufführungen von Weltniveau.
Das Deckengemälde des Theaters, Alegoría genannt, findet sich auf den alten 5 Colones Scheinen und offenbart einige kuriose Details. So wachsen die Bananen auf dem Bild verkehrt herum und an der Küste gedeiht auf einmal Hochlandkaffee. Und auch derart elegante Kaffeepflückerinnen sind wohl eher die Ausnahme. Die Banknote ist nicht mehr im Umlauf, kann aber an vielen Stellen als Souvenir erworden werden.
Sehenswert ist auch das Museo del Oro, das Goldmuseum, welches sich hinter dem Teátro Nacionál befindet und jede Menge Infos über die Geschichte des Landes bietet. Weiterhin sind dort viele wertvolle und sehenswerte, goldene Schmuckstücke, sowie Kunst – und Kulturarbeiten aus der präkolumbianischen Zeit ausgestellt.
Nach dem obligatorischen „Arroz con pollo“ zum Lunch haben wir uns noch den „Mercado Central“ im Zentrum angeschaut. Ein Besuch, den man keinesfalls versäumen sollte. Hier kaufen die Josefinos, die Einwohner von San José in unzähligen kleinen Geschäften Dinge für den täglichen Bedarf. So ist er in San José ein Stück Alltag und zugleich ein Ort exotischer Gerüche und Farben.
Am Nachmittag haben wir noch eine ehemalige Schulfreundin von Claudia in einem Außenbezirk von San José besucht.
Am Abend fand dann das Klassentreffen mit Claudias ehemaligen Schulfreunden statt. Wir trafen uns in einem wunderschönen Restaurant in Escazú, einem Nachbarort von Santa Ana. Dieses Restaurant lag hoch in den Bergen und man hatte einen weiten Blick über die beleuchtete City von San José. Sogar ein Feuerwerk gab es dort unten. Ob es für uns war ...?
05.12.2002 Multipláza Escazú
Was passiert, wenn man in weiblicher Begleitung reist ?
Richtig, irgendwann ist der Zeitpunkt, an dem kein Geschäft oder Einkaufszentrum mehr vor ihnen sicher ist.
Heute war dieser Tag gekommen. Ich hatte die außerordentliche Ehre, Claudia und Silvia in die Multiplaza nach Escazú begleiten zu dürfen. Diese Multiplaza ist das größte Einkaufszentrum in Süd – und Mittelamerika, welches auch einen Online-Besuch wert ist.
Im Inneren vergisst man eigentlich recht schnell, dass man sich in einem mittelamerikanischen Land befindet. Es sieht doch sehr europäisch aus. Einzig in dem Supermarkt, in dem wir reichlich regionale Delikatessen bunkerten, wie beispielsweise die unvergleichliche „Salsa Lizano“ – eine pikante Gemüse-Salsa, merkt man, dass man zumindest nicht in Deutschland ist. So einen gut sortierten, im Sortiment reichhaltigen und sauberen Laden habe ich hierzulande noch nie gesehen.
06.12.2002 Volcan Irazú
Nikolaus bei milden 25 Grad im Schatten. Auch eine Seltenheit; wann gibt`s das schon mal.
Heute gab es wieder ein wenig mehr Programm.
Am Vormittag sind wir zum Volcan Irazú aufgebrochen. Dieser liegt nördlich der ehemaligen Hauptstadt Cartago. Auch wenn es von Santa Ana nicht weit ist, so war die Fahrt dorthin wieder ein kleines Abenteuer. Die Beschilderung ist neben der Qualität der costaricanischen Strassen das große Manko. Gut, von Köln ist man eine dürftige Beschilderung gewohnt und ohne profunde Ortskenntnisse kommt man hier ebenfalls nicht ans Ziel und dreht sich im Kreis. In Köln weisen die Beschilderungen wenigstens die Autobahnnummern aus. Da es die in Costa Rica so gut wie nicht gibt, ist man hier natürlich dementsprechend gekniffen. Aber wozu hat man einen Mund zum Fragen, schließlich sind die Ticos ein freundliches Volk und immer hilfsbereit.
Gegen Mittag erreichten wir dann den Nationalpark am Irazú. Claudia ging beim Bezahlen des Eintrittes glatt als eine Tica durch und löhnte einen ganzen Dollar weniger als ich, da ich offensichtlich ein Gringo bin. Frechheit, so wird der costaricanische Staat um seine Einnahmen geprellt !
Der Irazú (Ableitung der indianischen Namen Iztarú - \"zitternder und donnernder Berg\") ist mit 3.432 m eine der höchste Vulkan des Landes. Berühmt ist er für seinen grünen Kratersee. Der erste Mensch auf dem Mond, der Astronaut Neil Armstrong hat einmal gesagt, dass der Irazú der Ort auf der Erde sei, der ihn am meisten an den Mond erinnert.
Vorausgesetzt, man ist früh dort oben und man hat klares Wetter, so kann man von dort aus beide Weltmeere, den Atlantik und den Pazifik, sowie den Lago de Nicaragua sehen, dem einzigen Binnengewässer, in dem Haie leben.
Nach einem ausgedehnten Spaziergang um den Kratersee machten wir uns wieder auf den Weg nach Sta. Ana. Dort warteten bereits zwei weitere ehemalige Schulfreundinnen von Claudia auf uns, die leider bei dem Klassentreffen nicht dabei sein konnten.
Der freitägliche Verkehr zwischen Cartago und San José ließ uns Kaffeekränzchen fast platzen.
Am Abend schauten wir uns mit Silvia und den Kindern noch eine „Posada“ – ein Krippenspiel auf dem Gelände der ehemaligen Likörfabrik in San José an. So muss es wirklich gewesen sein; die Geburt Jesu unter Palmen. Für die Kids war es allemal ein riesiges Spektakel.
07.12.2002 Fahrt nach Manuel Antonio
Für dieses Wochenende war wieder ein Trip in einen Nationalpark geplant. Die Reise sollte nach Manuel Antonio gehen, in der Provinz Puntarenas südlich von Quepos.
Zuvor wollten wir jedoch noch Claudias ehemaliges Haus in Escazú besuchen. Zuerst schien es, dass wir wenig Glück haben. Das Haus mit wunderschönem Blick auf San José wird von einem amerikanischen Schriftsteller und dessen Frau bewohnt. Beide waren jedoch zurzeit im Urlaub gewesen. Es war nur das Personal anwesend. Claudia erklärte ihnen, dass sie in den 70er Jahren in dem Haus gelebt hat und darauf hin durften wir hinein.
Nach der „Hausbesichtigung“ sind wir dann nach Manuel Antonio aufgebrochen.
Auf unserem Weg nach Manuel Antonio hatten wir uns natürlich prompt auf den ersten Kilometern südlich von Alajuela verfahren. Wir landeten in einem kleinen Dorf, in dem eine Art Rodeo stattfand; die ganze Strasse war gesäumt von „Cowboys“ auf ihren Pferden. Sehr idyllisch.
Der ganze Weg nach Manuel Antonio war wieder sehr malerisch und interessant – über die Cordillere Central in die Ebene der Provinz Puntarenas. Dabei führt die Strasse in der Nähe des berühmten Badeortes Playa Jacó unmittelbar am Pazifischen Ozean vorbei.
Um Quepos herum sieht man noch Überreste der gewaltigen Bananenplantagen, die einst von der berüchtigten „United Fruit Company“ bewirtschaftet wurden. Puerto Quepos wurde von der United Fruit als Ausfuhrhafen für Bananenexporte gebaut. Als jedoch in den 50er Jahren eine Epidemie die Plantagen heimsuchte, verlor der Hafen und die heute 10.000 Einwohner zählende Stadt an Bedeutung. Die Bananenplantagen wurden durch Ölpalmen ersetzt. Weiterhin wird um Quepos herum heute Reis und tropische Früchte angebaut.
Püntklich zum Sonnenuntergang erreichten wir Quepos. Wir setzten unsere Fahrt zu unserem Quartier, den „Cabinas Pedro Miguel“ fort, welches sich ein paar Kilometer hinter Quepos Richtung Manuel Antonio befand. Für 20 bis 30 Dollar ist hier wirklich für jeden etwas zu haben. Kleine cabinas oder ein paar Appartements mit wunderschönem Blick auf das Meer. Der Besitzer José Alexis Astúa ist sehr freundlich und zeigte uns das ganze Anwesen samt Pool. „Ambiente familiar“ steht auf seiner Visitenkarte; beileibe keine hohle Floskel !
Er kam Anfang der 70er Jahre nach Manuel Antonio und wollte eigentlich nur eine Woche bleiben. Daraus sind dann 30 Jahre geworden und er hat dort eine Familie gegründet. Ich kann ihm seine Entscheidung nachfühlen ...
Am Abend wollten wir eigentlich gegenüber in einem Restaurant nur eine Kleinigkeit essen und dann zu Bett gehen, weil die Fahrt doch ein wenig anstrengend war. Doch in dem Restaurant spielten 3 Amerikaner eine hervorragende Livemusik, die uns nötigte, nachdem hervorragenden „Arroz con pescado“ noch ein paar Drinks zu ordern und der Musik zu lauschen. Die beste Atmosphäre, um in Claudias Geburtstag hineinzufeiern. Felíz cumpleaños, mi querida …
08.12.2002 Manuel Antonio
Schon früh machten wir uns an diesem Tag auf, um den Nationalpark Manuel Antonio zu besuchen. Der Park ist täglich von 08.00 – 16.00 Uhr geöffnet. Wir wollten um 08.00 Uhr mit die ersten sein, die den Park betreten.
Manuel Antonio zählt mit 683 ha Landfläche zu den kleinsten Naturparks des Landes, obwohl er weitere 55.000 ha Meeresfläche umfasst, zu der auch 12 kleine Inseln gehören. Hier im Park sind die schönsten Strände Costa Ricas zu finden. Im Park selbst kann man vielen Tieren begegnen: Kapuzineraffen, Leguanen, Krebsen, Brüllaffen, Waschbären, etc.
Um in den Park zu gelangen, muss man bei Flut einen kleinen Flusslauf (\"Quebrada Camaronera\") durchwaten. Die Wanderwege im Park sind einfach zu begehen und am Eingang kann man sogar einen Guide anheuern, der fach – und sachkundig die Besucher durch den Park führt. Im Park selbst gibt es Duschgelegenheiten und einen Getränkeverkauf.
Für einen für Mensch und Natur unbeschwerten Besuch im Nationalpark sollte man jedoch einiges beachten:
Tiere sollten keinesfalls gefüttert werden, da somit das natürliche Verhaltensmuster der Nahrungssuche bei den Tieren gefährdet wird. Beim Duschen in den dafür vorgesehenen Duschgelegenheiten sollte auf Seife und Shampoo verzichtet werden, da es möglich sein kann, dass Tiere von diesem Wasser trinken und daran erkranken. Ebenfalls sollte man es vermeiden, den giftigen Manzanillobaum zu berühren und beim Baden, insbesondere an der Playa Espadilla auf die Strömung zu achten.
So gehörten wir tatsächlich zu den ersten Menschen, die an diesem Tag den Park betreten haben. Belohnt wurden wir mit menschenleeren Buchten, in denen nicht ein einziger menschlicher Fußabdruck zu sehen war; wirklich einmalig. Leider war das Wetter nicht sonderlich optimal an diesem Tag, also wirklich ein „Regen“-Walderlebnis, eingerahmt vom Chor der Tropen: fast in jedem Augenblick ein anderes Geräusch von irgendeinem Lebewesen. Den einzig wirklich kräftigen Regenschauer des Tages verbrachten wir im Getränkeausschank, anschließend sind wir einen ca. 2 km langen Weg zu einer einsamen Bucht gewandert, in der wir sogar einen Raubvogel beim Frühstück zusehen konnten. Majestätisch thronte er auf einem Baum und zog immer wieder seine Kreise über das Wasser, aus dem er Fische fischte.
Manchmal gibt es wirklich Zufälle, an die man nicht glauben mag. Auf dem Rückweg gingen wir kurz am Getränkeausschank vorbei, in dessen Nähe sich ein WC befand, welches ich dringend aufsuchen musste. Als ich dort fertig war, liefen uns auf einmal Fili und Gernot über den Weg, die wir eine Woche zuvor in Monteverde „ausgesetzt“ haben.
Mit unserem verbleibenden Trinkwasser wurde erst mal Wiedersehen gefeiert und die Firma Lucky Strike sponsorte die Friedenspfeifen.
Den Rest des Tages haben wir zusammen verbracht und die beiden haben bei den „Cabinas Pedro Miguel“ sogar noch ein Zimmer bekommen.
Wir haben noch lange mit José Alexis erzählt und er hat eine Freund, Walter Hernandez, der in Quepos Marina ein kleines Boot hat. Er bot uns an, eine Fahrt durch die Mangrovensümpfe zu organisieren. Am Montag morgen um 7.00 Uhr sollte es losgehen. Dankend haben wir angenommen, einen Rat, den wir nicht bereut haben.
So ging wieder ein sehr ereignis – und erlebnisreicher Tag zu Ende. Im wahrsten Sinne des Wortes – wir waren alle ziemlich müde von der langen Wanderung. Böse Zungen behaupten bis heute, ich sei sogar schon beim Abendessen eingeschlafen. Böse Zungen eben ...
09.12.2002 Rückreise nach Santa Ana
Es wurde uns beim Aufstehen bewusst, dass dies unser letzter Tag in Costa Rica ist. Am 10.12.2002 sollte die Reise Nach México weiter gehen.
Aber erst stand noch die Bootstour durch die Mangrovensümpfe an. José sagte, wir sollen pünktlich sein, sein Freund Walter wäre penibler wie die „Alemanos“, was die Zeit anbelangt.
Als wir in Quepos Marina ankamen, empfing er uns schon mit einem fröhlichen „Buenas“. Wir konnten sofort starten, Walter ist in der Tat der pünktlichste Tico, den wir kennenlernten.
Fast 2 Stunden chauffierte er uns durch die Mangrovensümpfe, die hier, an der Mündung des Ästuar eine Ausdehnung von 3 mal 30 km haben. Sogar einige Kapuzineräffchen gesellten sich in unser Boot, als wir an einer Uferböschung langsam wurden. Nur die versprochenen Kormorane liessen sich nicht blicken. „Bluesy Monday“ eben, da läuft alles etwas träger, auch in der Natur.
Nach der Bootstour fanden wir ein paar Meter von der Anlagestelle ein kleines, verlassen aussehendes Restaurant. Vor dem Nachbarhaus war lediglich eine Frau, die Wäsche aufhing. Ob wir frühstücken wollten, fragte sie. Na logo, wir hatten Hunger, schließlich waren wir seit 06.00 Uhr auf den Beinen. Augenblicklich ließ sie die Wäsche fallen und rief ca. 3-4 Frauen herbei, die sich emsig daran machten, uns unseren „Gallo Pinto“ zuzubereiten. Diese Leute muss man einfach mögen.
Nach dem, wie immer, reichhaltigen Frühstück machten wir uns auf den Heimweg. Am Rio Tarcoles konnten wir von einer Brücke aus die Krokodile im Fluss beobachten. Dort leben an einem Flusskilometer ca. 25 Krokodile. In Playa Jacó verabschiedeten wir uns dann vom wunderschönen Pazifik.
Auf dem Rückweg setzten wir Fili und Gernot an der Multiplaza in Escazú ab und Claudia und ich brachten unseren kleinen Jeep zurück zur Leihwagenfirma. Ein Mitarbeiter fuhr uns freundlicherweise nach Sta. Ana zurück, wo es dann langsam daran ging, die Koffer zu packen. Den Abend verbrachten wir dann noch lange mit Silvia, Paul und den 3 Niños.
“So many faces in and out of my life, some will last, some just will be now and then. Life is a series of hellos and goodbyes, I´m afraid it`s time for goodbye again …”
10.12.2002 Abschied
Um 04.00 Uhr brachte Silvia uns dorthin, wo sie uns vor 2 Wochen abgeholt hat. Zum Aeropuerto Juan Santamaría. Leider, oder Gott sei Dank, dürfen Personen ohne gültiges Flugticket nicht mit in die Abflughalle. So mussten wir uns wohl oder übel kurz und schmerzlos vor dem Gebäude verabschieden. Und ich kann mich bis heute nicht daran erinnern, wann ich jemals zuvor beim Abschied Tränen in den Augen hatte ...
Nach dem Start machte der Flieger noch eine schöne „Vuelta“ über Sta. Ana, um sich dann mit einer weiteren, langen „Vuelta“ über die Península de Nicoya von diesem Paradies auf Erden zu verabschieden.
„Someday girl, I don´t know when, we´re gonna get to that place where we really wanna go and we`ll walk in the sun. but till then tramps like us, baby we were born to run”.
Springsteens “Born To Run” hat ein Ziel ![b]



