Unsere Planung war über Los Patos in den Corcovado hineinzulaufen, einen Tag für Wanderungen vor Ort bei der Sirena Lodge, und am dritten Tag Richtung La Leona/Carate wieder hinauszulaufen.
Das Ganze zu viert, d. h. mit 2 Kindern im Alter von 12 und 14 Jahren.
Im Vorfeld habe ich mich im Internet und in verschiedenen Büchern informiert. Grundsätzlich kam auch eine Führung in Frage, allerdings haben mich die Preise, die ich im Internet dafür gefunden habe (> 400,- $ pro Person) ziemlich abgeschreckt. So viel hatten wir nicht vor, für die 3 Tage auszugeben. Also die Überlegung, alleine zu wandern. Aber wie komme ich an die Reservierungen, die in der Hauptreisezeit empfohlen sind. Wir wollten nicht in Puerto Jiminez stehen und keine Übernachtung in der Sirena Lodge mehr bekommen.
Also habe ich mich auf die Suche gemacht nach Kontaktpersonen in Costa Rica, die die Reservierung und Parkeintritte gegen eine kleine Gebühr für uns regeln.
Bei dieser Suche bin ich auf Osa Travel gestossen (http://www.osatravel.com).
Von Osa Travel wurde uns ein Angebot für eine 3-Tage-Wanderung gemacht, welches ich einfach nicht ablehnen konnte.
Rechts zügig sollten wir 500 $ als Anzahlung über Western Union leisten. Im Gegenzug bekämen wir einen Voucher. Wir waren recht kritisch, weil wir in Afrika schon einmal sehr negative Erfahrungen gemacht hatten, ein Voucher als Papier sehr geduldig ist. Andererseits habe ich viele positive Erfahrungen im Netz über Costa Rica gelesen, so dass wir das Geld überwiesen haben.
Aber der Voucher kam nicht ….
Ich fragte noch 2 Mal nach, wurde immer wieder vertröstet, dass er noch daran arbeite und ich ihn bald bekommen würde. Vier Wochen vor der geplanten Wanderung kam der Voucher dann endlich.
Vermutlich hing das mit der Reservierungszeit für den Nationalpark zusammen (erst 4 Wochen vorher möglich). Ein kleiner Hinweis wäre nett gewesen, hätte uns manch üblen Gedanken erspart.
Mit Spannung kamen wir dann in Puerto Jiminez an:
Doch bereits beim Einchecken meinte die Frau, dass wir eine Führung mit Felix Menochal haben und er sie gebeten hatte, ihn direkt anzurufen. Na, das klang ja schon mal gut.
Felix kam ca. 30 min später und besprach mit uns die Details der Wanderung. Außerdem wollte er den Restbetrag direkt mitnehmen. Eine Bezahlung am Ende kam für ihn nicht in Frage. Wieder das negative Gefühl bei uns. Was aber sicherlich an unserer negativen Erfahrung lag. Gut, wie vertrautem ihn und bezahlten. Ab da wurde alles nur noch viel besser als vereinbart.
Er schlug vor, jetzt direkt noch eine kleine Wanderung zu Kaimanen und Krokodilen zu machen. Das war natürlich genau das Richtige, besonders für unsere Kinder. Wir gingen zu einem Fluß in der Nähe, wo Kaimane und Krokodile nebeneinander im Wasser lagen.
Am nächsten Morgen wurden wir mit einem Jeep abgeholt, und er brachte uns zu seiner Mutter zum Frühstück. (Auch das war ursprünglich nicht ausgemacht.) Schöne Überraschung, gestärkt für die Wanderung zu starten.
Anschließend stieg noch Jober zu uns. Er sollte uns die 3 Tage begleiten und beim Tragen helfen.
Die Fahrt mit dem Jeep zur Rangerstation Los Patos war schon ein Erlebnis für sich:
20 bis 25 mal mußte ein Fluss durchquert werden. So einen Weg bin ich vorher noch nie in meinem Leben gefahren. An der Rangerstation startete dann unsere Wanderung. Die ersten 5 km geht es rauf und runter, danach ist es relativ flach. Insgesamt ist die Strecke aber schon ziemlich kräftezehrend. Für unseren Sohn ging es ans Limit. Nach der Durchquerung des letzten Flusses wollte er nicht mehr wandern. Mit mehreren Pausen und gutem Zureden erreichten wir gegen 16:30 Uhr dann doch die Sirena Lodge. Endlich!
Während wir uns auf den Stühlen ausruhten, die Füsse entspannten und die Ankunft genossen, bauten Felix und Jober schon unsere Zelte auf. Anschließend kochten sie und riefen uns zum Abendessen (leckeren Salat und Nudeln). Es war herrlich, nach der Anstrengung so verwöhnt zu werden.
Am nächsten Morgen startete Felix mit uns zu einer Morgenwanderung. Wir sahen viele Tiere: u. a. Totenkopfäffchen und einen Koati mit ganz kleinem Jungen. Im Rio Sirena schwamm ein Krokodil und wartete, auf was wohl?
Nach einer schönen Runde kamen wir zur Lodge zurück und durften uns wieder an den gemachten Tisch setzen. Jober hatte inzwischen das Frühstück bereitet. Super!
Anschließend machten wir uns noch einmal auf Tiersuche und begegneten einer kleinen Herde Pecaris (ca. 80 Tiere). Felix hatte sie sehr schnell wahrgenommen und gab uns gleich Zeichen langsam ein paar Schritte rückwärts zu gehen. In vielleicht 20 oder 30 Metern Entfernung zog die Herde an uns vorbei. Da wurde auch unseren Kindern richtig bewußt, dass wir uns mitten im Dschungel befanden und nicht in einem Tierpark. Wir sahen wieder einige Tiere, viele Vögel, doch leider keinen Tapir. Felix suchte die Stellen auf, wo sich Tapire meist aufhalten, aber leider heute kein Glück.
Nach dem Mittagessen und einer kleinen Pause gingen wir zum Rio Claro zum Baden.
Entgegen vieler Behauptungen im Netz gibt es im Rio Claro keine Krokodile. Das Wasser ist herrlich klar und man kann dort wunderbar baden. Wir waren nicht die einzige Gruppe, die mit ihrem Guide an diese schöne Stelle geführt wurde.
Am nächsten Morgen mußten wir früh starten, denn Flut war für 10:30 Uhr gemeldet.
Der Grund, warum wir nicht bei Hochwasser den Weg gehen konnten, war wieder nicht der Rio Claro, wie ich vorher im Internet gelesen hatte. Der Fluß ist kein Problem. Nein, große Teile des ersten Weges führen an Felsen vorbei, die nicht bei Hochwasser am Strand passiert werden können. Scheinbar hat es noch im letzten Jahr einen Unfall gegeben. Anfangs ließ uns Felix noch viel Zeit für Tierbeobachtungen, plötzlich drängt er uns, doch weiterzugehen. Scheinbar war das Wasser schon höher als er erwartet hatte. An 2 Vorsprüngen warteten wir die passenden Wellen ab, um diese Stellen zu passieren. Glück gehabt, - außer nassen Füssen ist nichts passiert.
Erleichtert machten wir nun eine etwas größere Pause.
Bei der weiteren Wanderung gingen wir immer wieder auch in den Dschungel. Er wollte uns doch gerne noch einen Tapir zeigen, aber der Tapir ließ sich Zeit. Immer wieder suchten wir nach ihm, bis wir schließlich in einem kleinen Wasserloch fündig wurden. Klasse, nur ein paar Meter von uns entfernt stand dieses große Tier und schaute uns an.
Bei meiner Überlegung, ob mit oder ohne Guide war, mir im Vorfeld gar nicht bewußt, wieviel mehr Tiere wir dadurch gesehen haben. Ein guter Guide kennt die Tiere und ihre Gewohnheiten und weiß, wo die Chance am besten ist, ihnen zu begegnen. Auch mit der Pecari-Gruppe, weiß ich nicht, ob wir so schnell reagiert hätten und uns vielleicht in eine Gefahr gebracht hätten. Unser Guide ging mit allen Sinnen durch den Dschungel, d. h. er hörte und roch auch. Die Pecaris hatte er zuerst gerochen, bevor er sie sah. Das war schon klasse. (Wie wenig geschult unsere Sinne im Gegensatz dazu sind, obwohl wir uns schon ständig darum bemühen.) Außerdem gab es viele Erklärungen zu den Tieren, dem Dschungel, den Zusammenhängen, der Wilderei und zur Geschichte von Corcovado.
Das ist aber nicht allgemeingültig. Wir sind am 2. Abend in der Sirena Lodge von anderen Wanderern angesprochen worden, ob unser Guide für uns kocht. Sie hatten sich zu fünft zusammengefunden, kurzfristig einen Guide angeheuert und mußten 200 $ pro Person zahlen plus sämtlichen Ausgaben, wie Unterkunft, Essen, Parkgebühren, Transfer usw. Sie mußten das Essen tragen und selbst kochen.
Außerdem klagte er, dass ihr Guide nichts erklären würde. Für eine Führung am Strand bräuchte er keinen Guide. Es scheint dort also riesen Unterschiede zu geben. Mein Tipp: nachfragen, ob der Guide auch eine biologische, bzw. naturwissenschaftliche Ausbildung hat.
Wir waren sehr glücklich. Wir mußten nur unsere persönlichen Dinge tragen und wurden ansonsten rundum versorgt. Wir freuen uns, dass wir diese Tage so wunderbar verleben durften. Wenn ich mich noch einmal entscheiden müßte, würde ich die Tour genauso wieder machen.
Pura Vida!
